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  • Hochgejubelt – tief gefallen10. Juli 2017

    Erinnern Sie sich noch an das «Gästival» vor zwei Sommern, als die eiserne «Seerose» auf dem Vierwaldstättersee unterwegs war und an ausgewählten Anlegestellen Halt machte? 200 Jahre Gastfreundschaft wurde während eines Sommers auf dem Vierwaldstättersee zelebriert. 67 000 Besucher wurden laut offizieller Website gezählt. 67 000 Besucher mit einem enormen Potenzial an Multiplikatoren. Was ist jetzt, zwei Jahre später, geblieben? Bei vielen Besuchern wohl die Erinnerung an einen schönen Abend unter Freunden auf der «Seerose». Ob das Ziel, die Gastfreundschaft der Zentralschweizer Tourismusregion nachhaltig und mit Langzeitwirkung über das eigentliche Jubiläumsjahr hinaus in die Welt zu transportieren, erreicht wurde, ist trotz der enormen Kommunikationsanstrengungen nicht messbar. Da hilft auch die grosse finanzielle Unterstützung durch den Bund und die Zentralschweizer Kantone nicht.

    Das «Gästival» war beileibe nicht die einzige Veranstaltung, die gross angekündigt wurde, über eine gewisse Zeit eine beachtliche Medienresonanz auslöste und dann wieder in der Versenkung verschwand. Es mag sein, dass dies im Zeitalter von Social Media und der schnellen Kommunikationswege dank Smartphones usw. so sein muss. Was gestern war, interessiert heute schon niemanden mehr. Und doch sprechen alle immer wieder von Nachhaltigkeit. Selbst Politiker, von denen man sagt, dass sie nur von einem zum anderen Wahltermin planen und denken, haben dieses Wort für sich entdeckt. Eine schön verpackte und mit dem Etikett der Nachhaltigkeit versehene Idee verkauft sich in der heutigen Zeit gerade auch aus kommunikativer Sicht viel einfacher. Was in erster Linie zählt, sind möglichst viele auf die Schnelle erzielte Likes oder Treffer in der schweizerischen Mediendatenbank. Morgen ist dann wieder ein anderer Tag, und was dieser Tag bringt, interessiert übermorgen auch schon niemanden mehr.

    Das Rad der Zeit lässt sich mit den heutigen Kommunikationsmitteln nicht mehr zurückdrehen. Eine Veranstaltung oder Person ist sehr schnell hochgejubelt. Die vielen Youtube-Stars lassen grüssen. Dabei wird oft vergessen, dass man so schnell, wie man nach oben katapultiert worden ist, auch wieder hinunterfällt. Einem wirklich nachhaltigen Event oder Projekt passiert so etwas nicht. Doch solche lassen sich schlicht und einfach kommunikativ weniger gut verkaufen. Und so werden auch in Zukunft wirklich nachhaltige Veranstaltungen, an die man sich auch Jahre später noch erinnert, die löbliche Ausnahme bleiben.

    Beat Christen

  • AKOMAG Crossmedia in Echtzeit12. Juni 2017

    Die Anforderungen an die Kommunikationspolitik eines Unternehmens oder einer Institution steigen. Die Gründe liegen einerseits in der Komplexität der Wahrnehmung bei den Anspruchsgruppen. Andererseits spielt der Faktor (Echt-)Zeit eine entscheidende Rolle: Alles muss schnell gehen; vieles ist den sozialen Medien geschuldet.

    Ist dem wirklich so?

    Ja und nein. Wir leben im Echtzeitalter. Nachrichten verbreiten sich schnell – in Echtzeit eben. Eine gute Kommunikationspolitik baut diese Kanäle in die Strategie ein. Allein, eine ruhige Hand braucht es trotzdem – wenn nicht zwingend. Denn das Schnelle hinterlässt viele Fragen, Themen können nicht vertieft behandelt werden. Beispiel dafür sind die Printmedien. Einmal abgesehen davon, dass mit der kostenlosen Freigabe von Inhalten ein Kardinalsfehler begangen wurde, der nur schwerlich zu korrigieren ist, hat man auf den Redaktionen gemerkt, dass Tiefe und Hintergründe der schnellen News-Vermittlung folgen müssen. Beispiele dafür gibt es genügend. Da wäre – aktuell – der Erfolg des Zürcher Crowdfunding-Projekts «Die Republik». Innert kürzester Zeit wurden die notwendigen Abonnenten und Mittel generiert, um das Projekt starten zu können. Beispiel ist aber auch die NZZ, die mit einer gezielten Stärkung der Publizistik ihre Leserzahlen erhöhen konnte. Ganz einfach, weil die Leser bereit sind, für Inhalte zu bezahlen. Gut recherchierte und aufgemachte Inhalte, versteht sich.

    Inhalte braucht auch die Kommunikation, braucht auch das Marketing – Content Marketing heisst die aktuelle Lösung. Unternehmen setzen zunehmend auf professionell aufgemachte Inhalte, distribuiert über Magazine und online.

    Genau da setzt AKOMAG an. Und zwar bereits seit Jahren. Das Angebot umfasst crossmediale Konzepte, deren Kern ein professionelles Storytelling auf allen Kanälen ist. Ein Beispiel dafür ist das Kundenmagazin «FOKUS» der Schwyzer Kantonalbank, ein anderes die «ROI»-Produkte, eine AKOMAG-Produktentwicklung, die seit über 15 Jahren erfolgreich am Markt ist. So das Wirtschaftsmagazin «ROI» mit seinen Spezialausgaben, wie kürzlich das «ROI Spezial» zum Thema «Hotel und Tourismus». In Arbeit ist das «ROI Spezial» zum Thema «Gesundheit», welches am 5. Juli 2017 erscheint. Crossmedial sind die Magazine in das Wirtschaftsportal «ROI Online» integriert – aktuelle Themen werden dabei wöchentlich aufbereitet. Crossmedial sind auch Events. Beispiel dafür ist die ROI Lounge, die Netzwerkveranstaltung, die jeweils am Vorabend der Publikation im KKL stattfindet. Zur Premiere im April 2017 fanden sich 70 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft im KKL ein. Die ROI Lounge war am nächsten Tag zusammen mit dem «ROI Spezial» Thema in der «Luzerner Zeitung».

    In dieses Crossmedia-Konzept passt auch die von AKOMAG seit 27 Jahren betreute Veranstaltung «Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Zentralschweiz». Rund 1700 Teilnehmende finden sich jeweils Ende Oktober (dieses Jahr am 26. Oktober) im KKL ein, um erstklassige Informationen zur Entwicklung der Zentralschweizer Wirtschaft zu erhalten (Absender: BAK Basel Economics) sowie einem interessanten Gastreferenten zu lauschen (dieses Jahr Bundesrat Ueli Maurer), um anschliessend am grössten Netzwerkanlass der Zentralschweiz dabei zu sein. Der Event gründet unter anderem auch auf einer starken Medienpartnerschaft mit der «Luzerner Zeitung» und «Tele 1» sowie dem Online-Portal «ROI Online». Damit wird der crossmediale Effekt der Veranstaltung über alle Kanäle sichergestellt.

    Ronald Joho-Schumacher

  • Positionierung für den Knast22. Mai 2017

    Der langjährige Direktor der Justizvollzugsanstalt Grosshof in Kriens ist nicht mehr im Amt. Die Gründe? Wie immer: «... aufgrund unterschiedlicher Auffassungen in Bezug auf die Führung, die Weiterentwicklung und die künftige Positionierung der Justizvollzugsanstalt Grosshof», so wird der Chefbeamte der Dienststelle Militär, Zivilschutz und Justizvollzug des Kantons Luzern in der «Luzerner Zeitung» vom 19. Mai 2017 zitiert.

    Die allgemeinen Floskeln beim Rauswurf eines Mitarbeiters sind bekannt. Doch ein Begriff macht stutzig: «Positionierung». Positionierung eines Gefängnisses? Das ist neu. Denn gemeinhin ist die Positionierung weniger ein Begriff aus dem Verwaltungsvokabular, sondern vielmehr Kern einer Marketingstrategie in einem hart umkämpften Markt. Nun gut, in der Politik hat sich das Wesen der Positionierung mittlerweile ebenfalls durchgesetzt, indem sich beispielsweise Parteien oder deren Vertreter in Wahlkämpfen gezielt (strategisch) positionieren und dann entsprechend verhalten. Positionierung im klassischen Marketing heisst, sich von der Konkurrenz abzugrenzen – beispielsweise über ein klares, für die Zielgruppen präzis erkennbares Alleinstellungsmerkmal. Ziel der Positionierung ist es, die Marke derart in den Köpfen der Zielgruppe zu verankern, dass sie sich positiv von den Mitbewerbern abgrenzt und letztlich diesen gegenüber vorgezogen wird. Das ist knallhartes Marketing.

    Wenn nun die Leitung der Dienststelle Militär, Zivilschutz und Justizvollzug des Kantons über eine Positionierung des Grosshof-Knastes Markenpolitik betreibt, so bedarf das einer genaueren Betrachtung. Vielleicht differenziert sich die JVA Grosshof von anderen Anstalten dadurch, dass die Vollzugsbeamten überdurchschnittlich freundlich sind. Es wird viel gefeiert, die Wünsche der Insassen werden erfüllt, bevor sie genannt werden. Kurz: Vielleicht ist das Alleinstellungsmerkmal ein besonders mildes Anstaltsklima. Man spürt sich gegenseitig. Und das hervorragende Essen auf 2-Stern-Niveau: Das verankert sich derart schnell in den Köpfen der potenziellen Insassen, dass sie sich bereits im Zuge ihrer Verurteilung für ihre zukünftige Bleibe entscheiden: Luzern statt Pöschwies, Lenzburg oder Thorberg. Die relevante Zielgruppe weiss, was sie bekommt, und entscheidet sich für die JVA Grosshof. Eigentlich interessant. Wie sagte doch der Altmeister des Marketings und der Werbung, David Ogilvy zum Thema Positionierung: «Was für einen Zweck erfüllt das Produkt, und für wen ist es bestimmt?» Die Antwort ist eine Frage der Positionierung.

    NB: Übrigens: Die Kommunikation zur Freistellung des Direktors der JVA Grosshof war ein Meisterstück – in Sachen Positionierung der Involvierten im Meinungsmarkt. Chapeau!

    Ronald Joho-Schumacher

  • ROI – königlich analog wie virtuell01. Mai 2017

    «Social» ist in aller Munde – als soziale Medien oder soziale Netzwerke. Die einen transportieren Botschaften, Meinungen, Haltungen. Die anderen organisieren Freundschaften, schaffen Netzwerke. Virtuell ist es per Mausklick oder Eingabe auf dem Handy möglich, Zweisamkeit herzustellen. Viral potenziert sich das Private im Sekundentakt. Willkommen in einer Welt vor dem PC oder Smartphone. Der Stammtisch, der Rotarier Lunch oder die Generalversammlung des Gartenvereins nur noch virtuell?

    Nein. Aber für die Möglichkeit, (global) zu distribuieren, ist das Internet schon genial. Per Mausklick ist eine Community aufgebaut. In sekundenschnelle können Beziehungen hergestellt werden. Gleichzeitig, in Echtzeit also, erfolgt die Kommunikation. Das klassische Marketing kennt die vier Säulen: Produkt, Preis, Distribution und Kommunikation. Daran ändert sich auch in Zukunft nichts. Ausser, dass das Internet optimiert. Vor allem bei der Produkt- und Distributionspolitik.

    Genau da setzen die ROI-Produkte an. Sie sind analog wie virtuell, gedruckt und (druckreif) im Netz. Sie positionieren. Und sie vernetzen. Sie sind die klassische Symbiose von heute und morgen: Das Wirtschaftsmagazin ROI mit seinen Spezialausgaben. Letztere das ROI Spezial zum Thema «Hotel und Tourismus». Dann das Wirtschaftsportal ROI Online mit seinen wöchentlich wechselnden Themen. Oder die ROI Lounge, die Netzwerkveranstaltung, die Personen und Persönlichkeiten zusammenbringt.

    Das Wirtschaftsmagazin ROI erscheint 2017 viermal. Als Spezial in den Monaten April (Hotel und Tourismus), Juli (Gesundheit) und September (Energie). Als Hauptausgabe im November mit dem Titel «Fit für die Zukunft». Die jeweiligen Formate werden der Luzerner Zeitung mit Ihren Regionalausgaben in Luzern, Ob-und Nidwalden, Uri, Schwyz und Zug beigelegt. Die Auflage beträgt 120'239 Exemplare, die Reichweite 297’000 Leserinnen und Leser. Monothematik, analog serviert, findet Leserinnen und Leser und ist attraktiv für den Werbemarkt.

    ROI Online wiederum setzt Akzente im Netz. Storytelling in Echtzeit mit Social Media- Verstärkung. Porträts von Unternehmen sind verlinkt, Köpfe der Woche schaffen Identität. Das Fokus-Thema präzisiert und der Gastrotipp begeistert. Auch hier spielt die Zusammenarbeit mit der Luzerner Zeitung. ROI Online lässt sich auch über die Website www.luzernerzeitung.ch schnell und zuverlässig finden: Distribution ist alles.

    Neben Print und Online etabliert sich in der ROI Gruppe der Event-Bereich. Die ROI Lounge ist ein exklusiver Netzwerkanlass im ungezwungenen Rahmen, ohne lange Reden und feste Traktandenliste. Ein Wirtschaftsanlass, bei dem der Gedankenaustausch Vorrang hat. Die Plattform für Gespräche und Diskussionen findet jeweils am Vorabend der offiziellen Publikation in der Luzerner Zeitung statt.

    Die Produkte der ROI-Gruppe sind eine Innovation und Entwicklung der AKOMAG Corporate Communications AG. Sie positionieren die Agentur als führende Anbieterin von integralen Kommunikationsdienstleistungen auf strategischer und operativer Ebene. AKOMAG versteht sich damit auch als exklusives Netzwerk, das seinen Kunden im virtuellen wie analogen Bereich Nutzen bringt.

    Ronald Joho-Schumacher

  • Stringente Kommunikation04. März 2017

    Sämtliche Internatsplätze der Stiftsschule in Engelberg sind derzeit besetzt. Es wird sogar eine Warteliste geführt. Wahrlich ein Luxusproblem. So komfortabel war die Situation für die Internatsschule nicht immer. Eine stringente und langfristige Kommunikation hat dazu beigetragen, den Turnaround zu schaffen.

    Seit bald 900 Jahren wird an der Stiftsschule in Engelberg jungen Menschen viel Wissenswertes für das weitere Studium und die berufliche Zukunft mit auf den Weg gegeben. Als eine von Benediktinermönchen geführte Schule erlebte das Bildungsinstitut Mitte des letzten Jahrhunderts einen waren Boom. Doch dann waren die Werte, welche die Schule seit Generationen vermittelt, plötzlich nicht mehr in so einem Ausmass gefragt wie zur Hochblütezeit der Schule. Gleichzeitig darbte die Wirtschaft, was sich wiederum auf die Entwicklung der Schülerzahl auswirkte. In dieser Situation entschieden sich die Benediktinermönche des Klosters Engelberg für eine Vorwärtsstrategie.

    Als erste Internatsschule der Schweiz bietet die Stiftsschule Engelberg seit sechs Jahren den, auch an internationalen Universitäten anerkannten, Doppelabschluss IB mit integrierter zweisprachiger Maturität Deutsch / Englisch an. Die Öffentlichkeit wurde über diesen Entscheid nicht mit teurer Werbung, sondern mit gezielten medialen Aktionen und einer im Vergleich zu anderen Bildungsinstitutionen bescheidenen Werbekampagne informiert. Die seither gefahrene, aber stringente Information verfehlte zusammen mit den gleichzeitig Schritt für Schritt eingeleiteten Investitionen ihre Wirkung nicht.

    Das Beispiel der Stiftsschule Engelberg zeigt, dass man auch ohne Kampagnen zum Erfolg kommt. Dazu braucht es allerdings zwei Dinge:

    1. Ein Alleinstellungsmerkmal in Form des Doppelabschlusses mit integrierter zweisprachiger Maturität.
    2. Aber auch Geduld und die Einsicht, nicht den schnellen, sondern den langfristigen Erfolg anzustreben.

    Beides haben die Verantwortlichen der Stiftsschule Engelberg in den vergangenen Jahren bewiesen. Die Stiftsschule Engelberg ist heute ein moderner Lern- und Lebensort, der den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, Verantwortung zu übernehmen und sich optimal auf weiterführende Ausbildungen und das Berufsleben in einer globalisierten Welt vorzubereiten. AKOMAG ist stolz, dass sie die Stiftsschule Engelberg in den vergangenen zehn Jahren auf diesem Weg begleiten durfte.

    Beat Christen

  • Kleben Sie Ihre Webcam ab?13. März 2017

    Eigentlich haben wir es schon immer gewusst oder zumindest geahnt. Dazu hätten wir die Veröffentlichung von Wikileaks gar nicht benötigt. Kaum ein internetfähiges Gerät ist vor Spionen sicher.

    Viele Anwender werden mit den Schultern zucken: «Ich habe nichts zu verbergen. Sollen sie doch.» Bloss, was Geheimdienste können, bringen auch Kriminelle (früher oder Später) zustande. Hier lauert die wirkliche Gefahr. Nisten sich Viren ein, ist der virtuelle Husten oft heftig.

    Die meisten Unternehmen schützen ihre IT nach den besten Standards. Zuhause im privaten Rahmen regiert jedoch oft der Schlendrian. Updates werden auf St. Nimmerleins-Tag verschoben, notwendige Sicherheitslücken nicht geschlossen und Virenprogramme nicht erneuert. So schlimm wird es wohl nicht sein. Oder etwa doch? Facebook-Chef Mark Zuckerberg oder der FBI-Chef James Comey beispielsweise decken sogar ihre Webcams ab. Sie wissen sicher weshalb.

    Paul Felber

  • Gute Miene zum bösen Spiel06. März 2017

    Klar ziehe ich mich gerne chic an. Der Gang in ein Kleidergeschäft gehört jedoch nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Die Modeberaterin kommt so richtig in Fahrt weil Frau ja merkt, dass dem männlichen Gegenüber etwas Beratung gut tun würde. Sehr schnell ist der eigentliche Grund für den Besuch, Kauf einer neuen Hose, abgehackt. Der Pullover würde noch gut zu dieser Hose passen oder diese Sorte Hemden seien auch sehr bequem. Das Stimmungsbarometer hatte auch schon andere Werte, zumal die holde Angetraute nun mit der Verkäuferin unter einer Decke zu stecken scheint. Gute Miene zum bösen Spiel lautet nun die Devise, zumal eine Flucht aussichtslos scheint. Der Rückzug aus dem Kleidergeschäft ist vergleichbar mit einem Säcke schleppenden Maultier. Mitleidige Seitenblicke inklusive. So, das war es für das nächste Halbjahr. Dabei hatte die Modeberaterin nur ihren Job gemacht. Und dies angesichts der neuen Auswahl, die zu Hause im Schrank verstaut wird, offenbar nicht so schlecht. Der einzige Trost ist, dass ich offenbar nicht der Einzige des männlichen Geschlechtes bin, dem es vor solchen Shopping Touren graut.

     Beat Christen

  • O du unausweichliche – Die Omnipräsenz der Fasnacht.27. Februar 2017

    Egal ob man sich für oder gegen die Teilnahme entscheidet, diese eine Woche im Jahr gehört der Zentralschweizer Fasnacht.

    Ausgedehnt wird die grundsätzlich auf eine Woche festgelegte Fasnacht mittlerweile auf eine, insbesondere im Vorlauf, unbestimmte Zeit. Die Vorbereitungen beginnen oftmals bereits ein Jahr im Voraus – ganz nach dem Motto die Fasnacht ist tot; lang lebe die neue Fasnacht. Die Bälle beginnen bereits kurz nach der Silvester-Party und damit weit vor dem eigentlichen Zeitfenster. Für Fasnachtsbegeisterte fängt damit die ganz grosse Zeit an.

    Was machen jedoch diejenigen, die sich nicht am Fest beteiligen möchten? Von den Vorläufern lässt es sich ja noch retten, da ohne Interesse eigentlich keine Gefahr besteht in irgendeiner Form involviert zu werden. In der Woche vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Aschermittwoch ist die Fasnacht jedoch unumgänglich. Es gibt in der Zentralschweiz keine Tageszeitung, die nicht von ihr berichtet; kein Medium, in der sie nicht Thema ist und insofern man sich nicht Zuhause einschliesst, gibt es kein Ausgehen ohne dem Konfetti-Regen ausgeliefert zu sein.

    Fasnacht – Omnipräsenz, wie kein anderes Thema in der Schweiz.

    June Duso

  • Finger weg! Das ist meiner.20. Februar 2017

    Nonverbale Kommunikation. Dieses Thema taucht in unserem Blog regelmässig auf. Sie hat eine grosse Wirkung, wird aber häufig nicht wirklich reflektiert.

    Ein junges Paar ist zu einer Party eingeladen. Die wenigsten Gäste kennen einander persönlich. Das Pärchen betritt den Saal und bleibt zuerst etwas zögernd beim Eingang stehen. Es mustert kurz die Anwesenden. Die Frau dreht sich zu ihrem Mann um, rückt ihm schnell den Hemdkragen zurecht und wischt ein imaginäres Staubkörnchen von seiner Schulter. Eine kleine Geste mit grosser Wirkung.

    Alle Frauen im Raum verstehen nämlich die Botschaft, die damit verknüpft ist, sofort. «Finger weg! Das ist meiner.»

    Paul Felber

  • Das «Narrativ» ist entscheidend13. Februar 2017

    Der Bauch entscheidet nicht nur beim Essen, sondern auch bei Abstimmungen. Es spielt keine Rolle, ob eine Vorlage kompliziert ist oder nicht. Ausschlaggebend ist, ob wir dem Absender glauben und seine Begründung überzeugt.

    Statt Begründung, Darstellung oder Argumentation verwenden wir heute gerne den Begriff «Narrativ». Es ist zu einem Modewort geworden, das mehrheitlich zur Bezeichnung von Dingen verwendet wird, die es schon gab, aber anders benannt wurden: als Erzählung, Darstellung, Begründung, Rechtfertigung.

    Der Begriff «Narrativ» meint jedoch mehr als eine Kurzerzählung. Er ist auf einer höheren Ebene angesiedelt. «Narrativ» bezeichnet die Geisteshaltung, die einer Geschichte zugrunde liegt. Bei einer Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform beispielsweise stehen zwei Möglichkeiten zur Diskussion. Man kann eine Angstmacherkampagne von abwandernden Firmen führen oder das «Narrativ» der «Erfolgsgeschichte Schweiz» in den Vordergrund rücken. Angstmacherei hat bei den Stimmberechtigten noch nie verfangen.

    Paul Felber

  • Smileys ersetzen «Ironie-Zeichen»06. Februar 2017

    Körperhaltung, Mimik, Gestik oder Intonation sind wesentliche Faktoren der Kommunikation: Im schriftlichen Verkehr entfallen sie. Smileys sind deshalb eine hilfreiche Ergänzung, wenn es darum geht, in der kühlen Welt der schriftlichen Sprache Gefühle auszudrücken. Emojis, Emoticons oder Smileys – egal wie sie genannt werden – haben sich in der schriftlichen Kommunikation einen festen Platz erobert.

    Geradezu ideal sind sie für ironische Texte. Eine nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung, gefolgt von einem Smiley; Schon ist das Problem gelöst. Die seit jeher so schmerzlich vermissten Ironie-Zeichen haben auf indirektem Wege doch Eingang in unsere Sprache gefunden.

    Paul Felber

  • Leserbriefe à discretion30. Januar 2017

    Vor bedeutenden Abstimmungen werden die Leserbriefspalten der Zeitungen jeweils geflutet. Vor allem Kantons- oder Landräte tun sich hier hervor und geben ihre Abstimmungsempfehlungen ab. In den Gesetzgebungsprozess auf nationaler Ebene waren sie zwar nicht involviert, trotzdem wissen sie offenbar bis ins letzte Detail Bescheid. Oder etwa doch nicht?

    Wer selber schon in Abstimmungskomitees mitwirkte, hat da leise Zweifel. Zum festen Repertoire einer Kampagne gehört nämlich die Suche nach politischem Personal, das bereit ist, vorgefertigte Leserbriefe zu unterzeichnen und abzuschicken. Das mag problematisch erscheinen. Aber nicht jedermann kann seine Gedanken gut in Worte fassen. Manche Politikerinnen und Politiker sind deshalb dankbar für Formulierungshilfen.

    Ghostwriting, sei dies für Reden, Kolumnen oder Leserbriefe, gehört zum Alltag von Kommunikationsagenturen. 

    Paul Felber

  • E-Mail-Knigge23. Januar 2017

    1971 wurde die erste E-Mail versandt. Heute, rund 46 Jahre später, fluten täglich fast 220 Milliarden E-Mails die Postfächer ihrer Benutzer. Jeder Büromitarbeiter erhält pro Tag im Schnitt 131 E-Mails. 45 Prozent des weltweiten E-Mail-Traffic ist Spam. Wichtig ist daher die Befolgung ein paar wichtiger Regeln:

    • Sparsamer Umgang mit der Funktion «Antwort an alle»
    • Aussagekräftiger Betreff
    • Anrede und Grussformel gehören dazu
    • E-Mails müssen knapp und präzise sein
    • Kurze Sätze, Absätze bei längeren Texten
    • «Keep it simple»: Emoticons und Bilder sparsam verwenden
    • Dringende Informationen per Telefon
    • E-Mails schnell beantworten

    Philipp Hodel

    PS: Auch die erste Massenmailsendung ist überliefert. 1978 verschickte sie der Computerhändler Gary Thuerk an 600 Empfänger.

  • Nichts als die Wahrheit16. Januar 2017

    «Fake News»: ein derzeit inflationär verwendeter Begriff. Es handelt sich um bewusst produzierte Falschmeldungen, die sich viral verbreiten und eigens zu diesem Zwecke produziert wurden. Dahinter steht sowohl finanzielles als auch politisches Interesse. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten und der globalen Vernetzung kann inzwischen praktisch jedermann solche Meldungen herstellen und streuen. Es ist ein relativ neues und zunehmend relevantes Problem. Erkannt hat dies unter anderem Facebook. Das grösste soziale Netzwerk hat daher die Zusammenarbeit mit einem Berliner Recherchebüro angekündigt, das Meldungen prüfen und gegebenenfalls mit einem Warnhinweis versehen soll. Eine objektive Grenze zu ziehen, ist aber schwierig. Denn worin besteht beispielsweise der Unterschied zu den Klatschzeitschriften mit ihren auf die Spitze getriebenen Schlagzeilen oder an den Haaren herbeigezogenen Geschichten? Sicher ist, die Diskussionen haben eben erst begonnen.

    PS: Was aber nicht geht: Meldungen als Fake News – zu gut Deutsch «Lügenpresse» – zu bezeichnen, nur weil sie einem nicht in den Kram passen. Ein kurzer Blick auf den Twitter-Account von @realDonaldTrump genügt, um zu sehen, was ich meine.

    Philipp Hodel

  • Der beste Blogbeitrag aller Zeiten!09. Januar 2017

    Das wärmste Jahr. Der erfolgreichste Film. Die grösste Katastrophe. Die Medien spielen mit Superlativen. Jeweils beim Jahreswechsel laufen sie zur Höchstform auf und versuchen sich gegenseitig zu übertrumpfen. So starten die ersten TV-Beiträge ihren Jahresrückblick bereits Ende Oktober. Eigentlich nur logisch, da zu diesem Zeitpunkt längst die Weihnachtsguetzli in den Regalen liegen. Der Drang, der erste zu sein, wird mit dem «Kundenbedürfnis» begründet. Nur: Kunden sind einfach gestrickt. Sie kaufen die Waren, die in den Regalen liegen. Und so stehen wir wieder einmal mehr vor der klassischen Huhn-Ei-Frage – was kam zuerst? Diese Spirale nimmt zunehmend Tempo auf und ich bin mir sicher, dass es in ein paar Jahren Weihnachtsguetzli ab Juli und Konfetti zur Wildzeit zu kaufen geben wird.

    In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr 2018.

    Philipp Hodel

  • Bettelbriefe ohne Ende23. Dezember 2016

    Weihnachtszeit. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Man ist empfänglicher für karitative Anliegen. Das wissen natürlich auch die unzähligen gemeinnützigen Organisationen und füllen unsere Briefkästen mit Spendenaufrufen. Der Gipfel der Frechheit: Kurz vor Ende Jahr schickt mir doch tatsächlich auch noch das Steueramt einen Bettelbrief. Zum Glück steht drauf «Dritte und letzte Mahnung». Die geben also endlich Ruhe.

  • Online-Medien unter Verdacht19. Dezember 2016

    • «Immer mehr US-Medien sehen Russland als Drahtzieher hinter den Hacker-Angriffen auf Hillary Clinton. Laut NBC war gar der russische Präsident involviert.»
    • «Deutsche Bundespolitiker mehrerer Parteien warnen vor der gezielten Beeinflussung des Ausgangs der Bundestagswahl, etwa durch russische Geheimdienste.»
    • «Amerikanische Medien berichten über eine gezielte Manipulation der US-Präsidentschaftswahl zugunsten des republikanischen Kandidaten Donald Trump durch russische Regierungskreise.»
    • «Es ist schon jetzt absehbar, dass von Russland gesteuerte Online-Medien Fehldeutungen und Falschinformationen verbreiten.»

    So werden Wahlniederlagen heute bereits im Voraus schöngeredet. Die Aliens haben ausgedient, die Verschwörungstheoretiker haben Russland und Wladimir Wladimirowitsch Putin entdeckt.

    Paul Felber

  • Auflagenzahlen bolzen12. Dezember 2016

    Die Auflagenzahlen einer Zeitschrift oder eines Magazins stehen in direktem Zusammenhang mit dem Werbewert der Inserate. Verleger sind deshalb daran interessiert, möglichst gute Zahlen vorweisen zu können. Das weiss natürlich auch die Werbewirtschaft. Sie stützt sich deshalb nicht auf die nackten Zahlen allein, sondern auch auf die Anzahl Leserinnen und Leser, die Reichweite oder die Qualität der Leserschaft.

    Trotzdem gelingt es Verlegern immer wieder, unbedarfte Inserenten mit astronomischen Auflagenzahlen zu locken. Ein Beispiel aus der Gesundheitsbranche: Der Verleger publiziert eine Druckauflage von 500 000 Exemplaren. An Tausende von Arztpraxen und Apotheken werden Bündel von Magazinen geliefert. Tatsächlich liegt aber jeweils höchstens ein Exemplar auf. Die anderen landen ungeöffnet im Altpapier. Stoppen kann man die ungebetene Zustellung nicht, weil nirgends eine Adresse auffindbar ist. Das ist ärgerlich für die Inserenten und für die Empfänger.

    Philipp Hodel

  • Gefühlte Abhängigkeit vom Smartphone05. Dezember 2016

    88 Mal täglich schauen wir aufs Handy, besagt eine Studie der Universität Bonn. Für viele ist der Blick aufs Natel die erste und die letzte Handlung am Tag. Eine Abhängigkeit hat sich eingestellt, bewusst oder unbewusst. So erlebt letzte Woche auf dem Weg zur Arbeit: Ich stellte fest, dass mein Mobiltelefon wohl immer noch zu Hause auf dem Stubentisch lag. Sofort blitzten Fragen auf wie: «Was mache ich bei einer Panne? Wie reagiere ich bei einem Unfall? Sucht mich jemand?» Dennoch: Ich habe die Autofahrt und den Tag überlebt.

    Es ist erschreckend, wie stark wir uns mittlerweile von unseren digitalen Helfern abhängig fühlen. Ich sage bewusst: fühlen, denn abhängig sind wir davon in der Regel nicht. Aber die kleinen Geräte machen unseren Tagesablauf komplett plan- und berechenbar; für viele ein wohltuender Segen. Spannender und spontaner wird das Leben dadurch aber nicht.

    Philipp Hodel

  • Abschied von der Lesernähe28. November 2016

    Im Journalismus ist die Nähe zu einer Region und ihren Bewohnern essenziel. Am Puls der Zeit zu sein, ist das oberste Gebot für einen Journalisten. Und er soll Geschichten riechen und aufstöbern – am besten, bevor Mitbewerber diese publik machen. Genau das Gegenteil davon macht nun die NZZ. Die «alte Dame» zieht ihre Inlandkorrespondenten aus den Regionen zurück und beordert sie entweder nach Bern ins Bundeshaus oder auf die Zentralredaktion in Zürich. Präsenz vor Ort sei aufgrund der Digitalisierung und der kürzeren Verkehrswege viel weniger wichtig als noch vor zehn Jahren, so die Begründung von NZZ-Inlandchef Michael Schoenenberger, und er widerspricht sich gleich selber. Meines Wissens ist die Wegstrecke von Zürich nach Luzern immer noch gleich lang wie eh und je, nur hat sich die Reisezeit trotz Digitalisierung sicher nicht verkürzt, sondern eher verlängert. Pendler wissen ein Lied davon zu singen. Und definitiv verloren gehen mit dieser Zentralisierung die Nähe zu einer Region und damit das Gespür für gute Geschichten. Vielleicht ist es auch nur eine Zeiterscheinung und man merkt früher oder später, dass die unterschiedlichen Befindlichkeiten in einer Region halt doch fehlen, sodass man die Inlandkorrespondenten wieder ausschwärmen lässt.

    Beat Christen

  • Blut, Schweiss und Tränen ...18. November 2016

    ... nein, nein: So schlimm ist es auch wieder nicht. Aber AKOMAG sucht eine Assistenz, die will. Nämlich dafür sorgen, dass unsere Mandanten bestens betreut werden. Nichts ist einzuwenden, wenn diese Assistenz (ich weiss, die gibt es irgendwo) Hunger hat, mitzudenken, zu schreiben und zu organisieren. Die sich aber auch nicht scheut, das Telefon zu bedienen, das Postfach zu leeren, Statistiken zu führen und Protokolle zu schreiben. Eigentlich suchen wir eine Assistenz, die vorwärtskommen will. Ja, wir wissen: Irgendwann geht sie wieder, die Assistenz. Mit einem hervorragenden Zeugnis und einer Truppe, die ihr nachweint. So ist es halt. Aber die Zeit, die sie mit uns verbringt, die bleibt im Gedächtnis. Also. Bewerben. Raphael Amrein ist die Kontaktperson: ramrein@akomag.ch, 041 618 07 07. 

    Ronald Joho-Schumacher

    > Stellenangebot PR-Assistent/-in (80-100%)

  • Trump und die Reputation14. November 2016

    Donald Trump ist 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist Fakt. Tatsache ist auch die mediale Flut an Analysen, Reportagen und Kommentaren – in den analogen Medien wie auf Social Media. Noch präsent ist der knüppeldicke Wahlkampf. Trumps Botschaften hallen nach. Und jetzt soll alles anders sein? Nach seinem Besuch beim amtierenden Präsidenten Obama tönt er weicher, formaler, sanfter. Und Hillary Clinton hat er für ihre Dienste am Land gedankt.

    Dazu Daniel Diermeier, führender Experte für Reputationsmanagement an der Universität Chicago, in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»: «Trump hat damit die Tradition aufrechterhalten, die seit George Washington gilt: Im Moment der Machtübergabe reicht man sich die Hand, ganz gleich, was man sich vorher an den Kopf geworfen hat. Am wichtigsten ist die Verfassung. Diese Geste der Fairness kann man in Amerika gar nicht überbewerten. Sie muss geleistet werden. Wie beim Stanley Cup, dem Eishockey-Finale: Erst wird gekämpft, aber hinterher zollt der Verlierer dem Sieger Respekt. Und umgekehrt.» Trump «reloaded» – man wird es sehen.

    Reputation in der Wirtschaft? Für Unternehmen ein unschätzbarer Wert. Die Reputation eines Unternehmens ist den Erfolgsfaktoren Innovation, Umsatz, Ertrag und Wachstum gleichzustellen. Ohne Reputation kein Erfolg. Schlechte Reputation lässt Firmen verschwinden. Es geht um Vertrauen, Sympathie, Kompetenz, Transparenz und Authentizität. Eine gute Reputation erfordert dauerhafte und glaubwürdige Kommunikation auf allen Kanälen. Das Unternehmen wird zur Marke und ist Marke. Marken wecken Vertrauen und stehen für erwartete Qualität. Reputationsmanagement ist die Paradedisziplin der Kommunikation. Versäumnisse rächen sich in einer Zeit, in der sich Produkte und Dienstleistungen kaum noch unterscheiden.

    Zurück zu Donald John Trump. Er hat Amerikas Leitmedien arg attackiert. Dazu Daniel Diermeier: «Noch vor vier Jahren hätte seine Strategie nicht funktioniert. Damals war Twitter in den Vereinigten Staaten nicht gross genug. Jetzt ja. Jetzt konnte er Twitter als sein alternatives Mediensystem aufbauen. Er konnte direkt und ungefiltert mit seinen Anhängern kommunizieren. Ohne diesen Kanal wäre es für ihn schwierig gewesen, seine Leute zu erreichen. Da hätte er auch die traditionellen Medien nicht so hart attackieren können. Was wir gerade erlebt haben, ist die erste grosse erfolgreiche Social-Media-Wahlkampagne der Welt. Die Zeit, als die Leitmedien als Gatekeeper funktionierten, ist vorbei.»

    Das wiederum ist eine andere Geschichte.

    Ronald Joho-Schumacher

  • Wann ist ein Fahrender ein «Stehender»?07. November 2016

    Die Fahrenden fordern neue Standplätze, kann man immer wieder lesen. Nun habe ich mich schon oft gefragt: Wer ist eigentlich ein Fahrender und wie wird man Teil dieser Gesellschaftsgruppe? Durch Geburt? Oder kann man sich diesen Status erwerben? Ich kenne einige Leute, die mit ihrem Wohnmobil das halbe Jahr über unterwegs sind, aber als gewöhnliche Camper gelten.

    Ein Fahrender ist jemand, der nicht in einer Wohnung leben möchte, sondern lieber mit dem Wohnwagen von einem Ort zum anderen zieht. Das wäre eine mögliche Begriffsklärung. Nur, viel weiter bringt uns diese Definition auch nicht. Siehe oben: Camper. Zudem ist mir aufgefallen, dass Fahrende sich oft monatelang auf einem Platz häuslich einrichten. Damit wären Fahrende zumindest zeitweise auch «Stehende», also temporär Sesshafte.

    Manchmal hilft auch die Sprache nicht wirklich weiter.

    PS: In jungen Jahren hatte ich einen guten Freund, der es schaffte, in 14 Monaten sechs Mal die Wohnung zu wechseln. In meinen Augen ein ansehnliches Portefeuille, um als Fahrender durchzugehen. Genützt hat es nichts. Wir mussten in unseren Ferien regelmässig den Zeltplatz ansteuern.

    Paul Felber

  • Der Frosch in der Pfanne31. Oktober 2016

    Folgende Geschichte habe ich als Kind einmal gehört: Wenn man einen Frosch in kochendes Wasser wirft, dann tut er alles, um dem Inferno zu entkommen. Setzt man ihn aber in lauwarmes Wasser und erhöht langsam die Temperatur, dann kocht er bei lebendigem Leibe, ohne dass er Anstrengungen macht, sein Wärmegefängnis zu verlassen. Wahr oder nicht, spielt keine Rolle. Denn Unternehmen verhalten sich in sich zuspitzenden Krisensituationen oft ähnlich. Am Anfang sind es ein paar negative Tweets oder Facebook-Kommentare. Es folgen Leserbriefe, eine unvorteilhafte Berichterstattung in der Lokalpresse und bevor man sichs versieht, steht das Fernsehen oder der «Blick» vor der Tür. Eine differenzierte Sicht ist schwierig; bis zuletzt hat das Management die Hoffnung, dass alles nicht so schlimm wird. Diese Taktik kann funktionieren. Falls nicht, ist der Schaden beträchtlich. Deshalb empfiehlt sich die Festlegung von Eskalationsstufen. Will heissen: Kommunikationsabteilungen legen fest, ab welchem Punkt wer wie reagiert. Und zwar vor der Krise.

    Philipp Hodel

  • Wer zu sehr mit der Konkurrenz vergleicht, hat verloren24. Oktober 2016

    Um eigene Produkte oder Dienstleistungen mit jenen der Konkurrenz zu vergleichen, wird unter anderem gerne auf das altbekannte Modell mit x- und y-Achse zurückgegriffen. Beide Achsen bilden Unterschiedliches ab: Bei einem Smartphone kann dies zum Beispiel die Bildschirmgrösse, Bedienbarkeit oder das Image des Herstellers sein. Wunderbar lässt sich grafisch darstellen, wo das Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz steht. Die Marketing- und Kommunikationsabteilungen leiten daraus die entsprechenden Werbebotschaften ab. Aber spielt es in den Augen der Kunden wirklich eine Rolle, ob ein Smartphone noch ein wenig mehr Speicher hat oder das Herstellerimage noch ein wenig besser ist (Ausnahme bilden hier die brennenden Akkus)?

    Wichtiger ist es, mit seinen Produkten eine eigene Achse zu besetzen. Wie früher Apple. Wussten Sie, dass das erste iPhone gegenüber der Konkurrenz, damals vor allem Nokia, bei allen technischen Kriterien das Nachsehen hatte? Aber eine Funktion hatte das Telefon, die das Nokia-Handy nicht hatte – ein Touchscreen-Display. Apple besetzte damit eine eigene Achse – alles andere wie Bildschirmgrösse, Speicher oder Akkulaufzeit wurde zur Nebensache. In einer Zeit der austauschbaren Produkte wird ein Alleinstellungsmerkmal wichtiger denn je. 

    Philipp Hodel

  • Die Leichtigkeit des Lügens17. Oktober 2016

    «Das hast du sehr schön gezeichnet», sagt die Lehrerin zum Schüler. «Deine neue Frisur gefällt mir super», lobt der Ehemann seine Frau. Eine Kollegin klickt auf «gefällt mir» auf Facebook, obwohl ihr das Bild nicht gefällt. Wir alle tun es, täglich und mehrfach: lügen. Eine grossangelegte Studie kommt zum Schluss, dass lügen zwar moralisch verwerflich ist, aber für das soziale Miteinander unerlässlich. Kleine Notlügen können zusammenschweissen und die Kommunikation reibungsloser gestalten. In Asien beispielsweise, wo der soziale Kitt noch bedeutsamer ist, tendiert man dazu, unangenehme Wahrheiten einfach wegzulassen. Wie es aber nicht geht, zeigt exemplarisch der US-Wahlkampf. Tatsachen werden verdreht, Gesagtes wird trotz Video- oder Radioaufzeichnungen verneint. Aus selbstsüchtigen Motiven wird gelogen und betrogen. Die Lüge dient nur dem Lügner. Was passiert? Die Gesellschaft entzweit sich – eine gefährliche Tendenz. Die ersten Auswirkungen dieser hasserfüllten Stimmung waren Prügeleien zwischen den Anhängern beider Lager, später folgte ein Brandanschlag auf ein Wahlkampfbüro. Weitere Radikalisierungsschritte möchte ich mir gar nicht ausmalen. In vier Wochen hat der Spuk hoffentlich ein Ende.

    Philipp Hodel

  • Rabattschlacht an der Kasse10. Oktober 2016

    5fach-Punkte hier, 100 Extrapunkte da und bis am 17. Oktober 20 Prozent Rabatt auf das Haarpflegesortiment des Anbieters XY. Haben Sie den Überblick? Fast täglich trudeln solche Gutscheine ein: per Newsletter, als Mailing, in der App oder in der Kundenzeitung. Die Rabattschlacht, sprich: die Punktesammlerei, ist Zeichen eines harten Konkurrenzkampfes in der Detailhandelsbranche. Und die Angebote werden immer personalisierter. Während ich früher oft Rabattmarken für Produkte wie Hundefutter erhalten habe, das ich noch nie gekauft habe und auch nie kaufen werde, trifft es heutzutage immer häufiger auf meine Vorlieben zu. Aber ehrlich: Diese Flut von Gutscheinen ist nicht zu bewältigen, zumal es ja auch noch mehrere Anbieter gibt. Erstens: So viele Waren brauche ich gar nicht, und zweitens müsste ich für den maximalen Ertrag ein regelrechtes Gutschein-Management betreiben.

    Philipp Hodel

    PS: Meine Strategie: Ich konzentriere mich auf die Gutscheine fürs Tanken.

  • Wahrnehmung ist die Wirklichkeit03. Oktober 2016

    Notfallpläne werden durchbuchstabiert. Spekulanten starten Attacken, Hedgefonds kündigen die Zusammenarbeit auf. Die Deutsche Bank ist in der Krise. In der Krise wird heftig kommuniziert. Die Spekulationen über die Hedgefonds sorgten zu Unrecht für weitere Unruhe. Die Aussenwahrnehmung der Bank sei verzerrt, sagt Konzernchef John Cryan. «Vertrauen steht im Bankgeschäft am Anfang von allem. Am Markt sind gerade einige Kräfte unterwegs, die dieses Vertrauen in uns schwächen wollen.»

    Trotz hektischer Krisenkommunikation: Immer neue Gerüchte und Indiskretionen lassen die Kurse einbrechen und wecken Zweifel, ob das Institut überleben kann. Weshalb? «Wenn genügend Investoren, Kunden und Gläubiger annehmen, es könnte Probleme geben, dann gibt es auch Probleme. In der Finanzbranche ist Wahrnehmung die Wirklichkeit», bringt es der Analyst Daniel Davies auf den Punkt.

    Paul Felber

  • «Credibility Gap»19. September 2016

    «Paid Posts» oder «Sponsered Content» sind im Kommen, Inhalte statt lockere Werbesprüche die Strategie dahinter. «Content Marketing» heisst dies im Fachjargon. Ein aktuelles Beispiel ist Postfinance, die regelmässig auf «20minuten» Inhalte publiziert. «20minuten» hat sogar einen eigenen Submenüpunkt in der Navigation eingerichtet: «PostFinance News». Inhaltlich gesehen positioniert sich der Finanzdienstleister als Knowledge- und Themenführer. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn «20minuten» kennzeichnet die Artikel eindeutig als «Promo». Zudem sind die Inhalte der PostFinance relevant und professionell aufgemacht. Eine Win-win-Situation für alle – zumal die Medienhäuser mit sinkenden Einnahmen aus dem Inserategeschäft zu kämpfen haben.

    Alles gut? Fast. Regelmässige Systemausfälle, über die auch in den Medien oft berichtet wurde, vermitteln mir als PostFinance-Kunden ein anderes Bild. «Credibility Gap» oder zu gut Deutsch Glaubwürdigkeitsdefizit nennt man dieses Phänomen.

    Philipp Hodel

    PS: Bleibt zu hoffen, dass diese Abweichung zwischen Eigen- und Fremdbild bald wieder ins Lot kommt.

  • «Self Pic» – (K)ein Aargauer Witz12. September 2016

    Eigentlich ist diese kleine Geschichte kein Aargauer Witz. Auf jeden Fall kommen darin keine weissen Socken oder Autofahrkünste vor. Passiert ist das «Self Pic» aber dennoch im Aargau.

    Auf einer meiner Radtouren, die mich unter anderem auch in den angrenzenden Aargau führt, begegne ich bei einem Blumenfeld dem Schildchen «Self Pic». Nanu? Hier kann ich also selber ein Bild schiessen. Denn so viel Englisch verstehe ich: «self» bedeutet «selbst» und «pic» als Kurzform für «picture» heisst «Bild». Bis jetzt war ich immer der Meinung, Selfies könne man überall und jederzeit praktisch ungefragt machen. Im Kanton Aargau ist diese neue Freizeitbeschäftigung aber offenbar nur in der Nähe von Blumenfeldern erlaubt, denn kurz darauf passiere ich zwei weitere Blumengärten mit dem gleichen Täfelchen «Self Pic».

    Zurück im Kanton Luzern fahre ich an einer weiteren Blumenanlage vorbei – offenbar ein lukratives Geschäft. Dort aber steht: «Self Pick», also «selber pflücken». Nun löst sich das Aargauer Rätsel auf.

    Paul Felber

    PS: Wie wäre es denn mit einem Schildchen «selber pflücken». Schlicht und einfach auf Deutsch.

    «It prevents you to make yourself to the monkey.»

  • Der Anruf des Herrn G.05. September 2016

    Was jetzt folgt, hat viel mit Kommunikation zu tun.

    Herr G. ist bei der Autogarage, die meinen PW wartet, für mich zuständig. Persönlich. So nehme ich das jedenfalls wahr. Denn wenn ich anrufe, ist der Herr G. immer und sofort zur Stelle. Unlängst hatte ich Probleme mit einem Geräusch, das sich so vernahm, als würden sich hundert winselnde Hunde unter der Motorhaube austauschen. Der Keilriemen. Service und Reparatur erfolgen schnell und prompt. Dann kommt das Unerwartete. Der Anruf des Herrn G.: «Guten Tag, Herr Joho. Ist alles in Ordnung? Ist das Geräusch weg? Wir sind für Sie da.» Dienstleistungswüste Schweiz? Weit gefehlt. Der Anruf des Herrn G. macht Freude.

    Zwei Tage später. Irgendwo in einer Apotheke. Ich brauche ein paar Kleinigkeiten. Ich weiss, wo sie sich befinden, bediene mich vor Ort und bringe die Dinger an den Tresen, wo die Kasse steht. Und warte. Und warte. Eigentlich warte ich immer noch und kann deshalb Folgendes mitverfolgen. Am Tresen eins: fröhlicher Informationsaustausch zwischen Mitarbeitender und Kundin. Tresen zwei: ähnliche Situation, scheint sich aber um ein echtes Verkaufsgespräch zu handeln. Hinter Tresen zwei eine Lehrtochter, die Hustenpastillen (oder Ähnliches) fein säuberlich ins Gestell stellt – laaaaangsam und sicher. Mit dem Rücken zu mir. Sie kann mich unmöglich sehen. Hinter Tresen eins und zwei für mich aber sichtbar: zwei Mitarbeitende, die sich angeregt unterhalten. Scheint etwas Privates zu sein. Vis-à-vis: eine Mitarbeiterin, die irgendwelche Aufkleber an einem Medizinfläschchen anbringt. Dann endlich. Irgendwie erbarmt man sich meiner. Mitarbeiterin an Tresen zwei meldet Kunden. Keine Reaktion. Nochmals ein Versuch. Die Mitarbeiterin hinter dem Tresen, die mit den Fläschchen beschäftigt ist, genervt: «Keine Zeit.» Derweilen Weiterführung des internen Dialogs auf privater Ebene.

    Dann doch noch die Erlösung, kurz bevor ich – ohne Produkte natürlich – gehen will. Ich darf zahlen. «Haben Sie noch einen Wunsch?» Nein, habe ich nicht. Ich komme auch nicht mehr.

    Was das mit Kommunikation zu tun hat? Es geht ums Nutzenversprechen:

    «Als Gesundheits-Coach sind wir immer da für Sie. Ohne Voranmeldung – ohne lange Wartezeit. Dafür mit einem ganzheitlichen Beratungsansatz, bei dem Sie im Mittelpunkt stehen.»

    Eigentlich wollte ich nur bezahlen.

    Ronald Joho-Schumacher

  • Die «immobile Mottenkiste»22. August 2016

    In den Kinderjahren des Fernsehens waren Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften jeweils Auslöser von grossen Werbeaktionen der TV-Branche. Auf die sportlichen Grossereignisse hin leisteten sich nämlich viele Familien ein TV-Gerät der neusten Generation. Grund genug für eigentliche Rabattschlachten. Diese Zeiten sind vorbei. Im Zusammenhang mit RIO 2016 konnte ich keine einzige Werbeaktion mehr beobachten. Eine logische Folge der Verlagerung des Angebots.

    SRF TV beispielsweise bot nebst den Sendungen im Fernsehen insgesamt neun Live-Streams gleichzeitig an – zu empfangen via Computer, Tablet oder Smartphone. Der Fernseher wird zusehends zum Nischengerät im Wohnzimmer. Im Zeitalter der digitalen Mobilität ist die «immobile Mottenkiste» immer weniger gefragt.

    Paul Felber

  • Olympia 2016 – Nebensache Sport16. August 2016

    Umweltverschmutzung, Dopingvorwürfe, Patronen im Pressezelt, Verkehrschaos oder die schlechten Verpflegungsmöglichkeiten auf dem Olympia-Gelände dominieren an medaillenlosen Tagen die Top-Schlagzeilen aus Rio. Die Liste der Themen mit dieser anhaltenden Negativberichterstattung liese sich Tag für Tag erweitern. Sportresultate verkommen zur Nebensache – ausser, es gibt eine Medaille zu feiern. Dass Geschichten abseits des Sports gesucht und gefunden werden ist nichts Neues. Negativschlagzeilen waren zu erwarten. Viele davon sind vom IOC selbst verschuldet – Stichwörter sind das Doping oder die Vergabe der Spiele nach Rio. Dennoch: Die Intensität der anhaltenden Negativserie überrascht. Die Gründe sind nicht nur im Umfeld, sondern auch im Wettkampfprogramm zu suchen. Viele Sportarten lösen keine Begeisterungsstürme aus. Die sportlichen Highlights sind dünn gesät. Synchronschwimmen oder Dressurreiten locken halt weder grosse Zuschauermassen aus, noch taugen sie für Schlagzeilen. «Dabei sein ist alles» lässt sich nicht medienwirksam verkaufen.

    Philipp Hodel

  • «KPI» - Richtwerte statt feste Grössen08. August 2016

    Immer wieder wird man im Marketingumfeld wie selbstverständlich mit englischen Begriffen konfrontiert. Einer davon, der im Digitalmarketing oft verwendet wird, ist «KPI», eine Abkürzung für «Key-Performance-Indikatoren». KPI ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den Fortschritt oder Erfüllungsgrad hinsichtlich gesteckter Ziele beschreibt. Im Marketing wird der KPI für Ziele verwendet, die nicht direkt quantifiziert werden können. So ist es beispielsweise schwer messbar, ob eine Kampagne den Bekanntheitsgrad eines Unternehmens gesteigert hat. Hier springt der KPI in die Bresche. In diesem Fall fungieren KPI wie Anzahl der Werbeeinblendungen, Klicks der Nutzer, Beiträge im Social Web uns so weiter mehr als Richtwerte, um die erzielten Ergebnisse greifbar zu machen.

    PS: Hinterfragen Sie KPI kritisch und lassen Sie sich nicht davon blenden – weder inhaltlich noch sprachlich.

  • Liebe Freisinnige02. August 2016

    Um 09:46:29 MESZ am 1. August 2016 erreicht mich eine E-Mail von Petra Gössi, Parteipräsidentin der FDP Schweiz. Womit gleich zu Beginn erwähnt sei, dass ich seit Jahren Mitglied dieser Partei bin.

    Petra Gössi wünscht mir «von ganzem Herzen einen schönen 1. August». Allein, bis zu diesem Wunsch – den ich auf diesem Weg verdanke – muss ich mich durchlesen und durchhalten – 54 Zeilen lang.

    Vor allem: der erste Satz umfasste 35 Wörter.

    Das ist – mit Verlaub, Frau Gössi – zuviel – zumal online. Die Aktion ist wohl gut gemeint, aber völlig wirkungslos. Auf dem iPhone oder dem iPad scrolle ich mir die Finger wund. Für 99,9 Prozent heisst das: Abbruch. Petra Gössis Ghostwriter und seine Entourage gehören wohl zu den 0,1 Prozent. Wobei: Vielleicht hat Frau Gössi den Text selber verfasst. Dann gäbe es dazu folgendes aus der professionellen Texter-Sicht zu schreiben:

    • Was ist das Ziel meines Textes?
    • Welches sind meine (Kern-)Botschaften?
    • Wer sind meine Leser, welches ist meine Zielgruppe und wie hole ich diese ab?
    • Wo und wie lesen meine Leserinnen und Leser?
    • Kurze Sätze
    • Vor allem: kurze Texte

     Die US-Amerikaner pflegen zu fragen: «Where is the beef?»

    Frau Gössi hätte viele gute Botschaften. Nämlich, dass die Schweiz ein Erfolgsmodell ist, zu dem die FDP massgeblich beigetragen hat. Erfolgsmodelle jedoch benötigen laufend «Upgrades» – die FDP sorgt dafür. Sie hat klare Ziele und eine klare Linie. Um weiter zu gestalten, braucht sie mich. Da bin ich doch stolz. Kurz: Frau Gössi holt mich ab. Kurz und prägnant.

    Das alles wird via Soziale Medien verstärkt. Letzter Tweet von Frau Gössi: 16. Januar 2016. Ach ja, die FDP Schweiz twittert auch. Leider nicht in Kürze das, was Frau Gössi mir an diesem 1.-August-Morgen schreibt.

    Ronald Joho-Schumacher

  • Katalogisch – Geheimsprache der Reisebranche25. Juli 2016

    Das Hotel mit einem beheizbaren Pool in Meernähe sowie eine internationale Küche. Das Angebot im Reisekatalog überzeugt. Angekommen, entpuppt sich die Meernähe als dehnbarer Begriff und die internationale Küche besteht aus deutscher Currywurst und italienischer Bolognese. Und spätestens wenn die Füsse im theoretisch beheizbaren, kalten Pool landen, weiss man, der Geheimsprache «Katalogisch» der Reisekatalog-Schreibgilde aufgesessen zu sein. Aber nicht nur die Sprache bietet mehrdeutige Begriffe, auch Bilder bieten keine Sicherheit. So machen Weitwinkelobjektive den Pool grösser und die Wahl des Ausschnitts den Strand menschenleer – noch bevor der Anbieter zu Photoshop gegriffen hat.

    Was früher kaum zu verifizieren war, geht heute vergleichsweise einfach mit Tripadvisor, Google-Street-View oder https://de.oyster.com. Aber auch hier gilt es, die Kommentare zu bewerten und einzuordnen: Ein «mieser Service» oder eine «schlechte» Frühstücksbuffet-Bewertung in einem 4- oder 5-Sterne-Hotel sind für den Otto Normalverbraucher wahrscheinlich immer noch überdurchschnittlich. Auch bewegen sich etliche Trolle im Netz, die ihre Konkurrenten gezielt schlechtmachen.

    Philipp Hodel

    PS: Mein Tipp: Beschriebe und Kommentare kritisch lesen, vor Ort für einmal die Fünf geradestehen lassen und die Ferien geniessen.

  • Nicht mehr Nummer 118. Juli 2016

    «Made in Germany» ist besser als «Made in Switzerland». Das ist in Kürze das Resultat einer Studie der Universität St. Gallen, «Swissness Worldwide 2016» genannt. Antworten gaben rund 8000 Befragte aus 15 Ländern. Das war mal anders – die Schweiz lag vorne: seit 2008 klar Platz 1. Was ist passiert? Darüber wird gerätselt. Vor allem – warum die Deutschen? Die haben doch den VW-Skandal und sonstige Brüche. Vielleicht ganz einfach, weil CH anscheinend nachlässt. Denn ein Image will gepflegt sein. Dazu gehören einerseits Ideenreichtum und Innovationskraft. Andererseits formt die Politik das Bild eines Landes. Auch wenn die Kommentatoren der Studie das Resultat der Masseneinwanderungsinitiative kleinreden – solche Signale werden als das verstanden was sie sind. Klar, sind wir Eidgenossen (noch) weltoffen. Im internationalen Vergleich liegen wir (gemäss der Studie) hinter Italien und Spanien auf Rang drei vor Frankreich, Deutschland und den USA. Aber das kann sich schnell ändern, wenn die Marke CH weiterhin zum Labor heimatverklärter Parteistrategen mutiert. Der Rohstoff der Schweiz ist die Cleverness der Eidgenossen. Platz 1 ist die Messlatte. Knapp daneben ist halt auch vorbei.

    Weitere Infos zur Studie: http://www.htp-sg.ch

    Ronald Joho-Schumacher

  • Erst denken, dann twittern11. Juli 2016

    Immer wieder tappen Prominente in die Twitter-Falle. Obwohl der Begriff «Falle» eigentlich nicht zutrifft. Denn per Definition ist eine Falle eine Vorrichtung oder ein Trick, mit dem man jemanden täuschen will. Bei Twitter ist alles glasklar: Was in die 140 Zeichen passt, wird publiziert. Sofort. Jeder Twitter-User ist Redaktor, Lektor, Verleger und Distributor in einem, das birgt Verantwortung. Zwar ist eine Löschfunktion von Beiträgen bei Twitter integriert. Nur: Sobald ein Screenshot von einem kontroversen Beitrag erstellt ist, hat man die Macht über seinen Tweet verloren. Hohe Vernetzung und umgehende Publikation sind Fluch und Segen zugleich. Daher: zuerst denken, dann twittern.

    Philipp Hodel

  • Herr oder Frau?04. Juli 2016

    Es ist erstaunlich, wie viele Unternehmen keinen Wert auf die richtige Anrede legen. Sie kann jedoch entscheidend sein für den Erfolg oder Misserfolg eines möglichen Geschäftes. Welcher Mann fühlt sich angesprochen, wenn in der Anrede steht: Sehr geehrte Frau X? Umgekehrt wird dies offenbar erwartet. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass über die Hälfte der Werbebriefe, die ich privat zu Hause erhalte, lediglich an mich adressiert sind, obwohl sie sich an mich und meine Frau richten. Die korrekte Anrede wäre demnach Herr UND Frau XY. Ganz einfach also.

    Paul Felber

    PS: Meine Frau ist dieser Hinsicht sehr konsequent. Zu Recht, wie ich meine. Post, die nicht (zumindest auch) an Sie adressiert ist, interessiert sie nicht. Für den Absender bedeutet dies: Chance vertan.

  • Umfragewerte sind keine Prognose27. Juni 2016

    Haben Sie den Brexit vorhergesagt? Dann waren Sie besser als unzählige Spekulanten und Finanzhäuser, die ihre Investitionsstrategie nach den letzten Umfragewerten auf einen Verbleib von Grossbritannien in der Eurozone ausgerichtet haben.

    Nicht nur Börsianer mussten sich am Vorabend der Bekanntgabe des Abstimmungsresultats positionieren. Auch die Printmedien mussten sich festlegen, da die Resultate erst weit nach Redaktionsschluss bekannt wurden. Anders als die Spekulanten verhielten sich die Medien zurückhaltender und liessen sich nicht auf ein «in» oder «out» hinaus. Einzig die «Basler Zeitung» und der «Tages-Anzeiger» haben sich mit ihren Leitartikeln leicht verspekuliert – da sie im Grundtenor des Artikels davon ausgingen, dass alles beim alten bleibt. Aber Milliarden wurden damit nicht in den Sand gesetzt – es wurde höchstens etwas am Ego gekratzt.

    Anders als an der Börse konnten die Medien auf Zeit spielen. Dennoch war ich überrascht, wie klar die Finanzmärkte von einem Verbleib ausgingen. Dass Umfragen keine klare Prognose, geschweige denn Endresultate sind, wurde in den letzten Jahren schon oft an der Urne bewiesen. Die Welt lässt sich weder durch mathematische Modelle noch durch unzählige Umfragen vorherberechnen. Entschieden wird am Tag X mit einem Kreuz an der Urne. Und das ist gut so.

    Philipp Hodel

  • Sprücheklopfer20. Juni 2016

    Die sozialen Netzwerke wie Facebook und vor allem Twitter sind (auch) exzellente Plattformen für Sprücheklopfer und kreative Köpfe. Das zeigte sich wieder nach dem Fussballspiel Schweiz gegen Frankreich. Die zerrissenen Trikots der Schweizer beflügelten die Fantasie der Online-Kommentatoren.

    Die Schweizer Fussballer hielten, was sie versprachen, ihre Trikots aber nicht. Beim Spiel gegen die Franzosen wurden gleich sieben in Stücke gerissen. Zwei Kommentare dazu: «Hoffentlich stellen die keine Kondome her», «Löcher im Käse, Löcher im Trikot. Ist konsequent».

    Was meint Hersteller Puma dazu? Bisher habe es noch nie Probleme mit den Trikots gegeben. Sie seien schon in vielen Spielen getestet worden. Man werde der Sache aber nachgehen. Das tönt etwas hilflos und erinnert an Statements in der TV-Sendung «Kassensturz».

    Die Puma-Offensive auf den sozialen Medien fehlt bisher sogar. Auf Twitter nimmt kein einziger Post Bezug auf die Zerreisprobe gegen Frankreich. Auf Facebook findet sich unter dem Titelbild auch nur das Statement, welches den Medien zugespielt worden ist.

    Jetzt stellt sich die Frage, wie der Konzern damit umgeht. «Puma muss jetzt aktiv kommunizieren», sagt ein Markenexperte. Der Konzern dürfe aber die Diskussion nicht ins Lächerliche ziehen. Auf den sozialen Medien passiert das aber gerade. Sprücheklopfer laufen zur Hochform auf.

    Paul Felber

  • Stillstand ist Rückschritt14. Juni 2016

    Der Online-Werbemarkt wächst rasant und verzeichnete in der Schweiz 2015 erstmals einen Umsatz von über 1 Milliarde Franken. Inhalte werden immer öfter auf mobilen Geräten konsumiert. Tablets und Mobiltelefone laufen dem klassischen PC den Rang ab. Auch bewegte Bilder werden wichtiger. So erstaunt es nicht, dass Youtube nach Google die zweitgrösste Suchmaschine der Welt ist. Und nicht zuletzt sind die Social Media ein Grundstein vieler Marketingkampagnen. Die Möglichkeit, Inhalte zu teilen, zu kommentieren oder selber zu erstellen, wird von über 1,6 Milliarden Nutzern allein auf Facebook genutzt. Für Website-Betreiber heisst es daher: Aufrüsten. Responsive Design, Twitter- oder Youtube-Plugins sowie Social Media Sharing Buttons sind nur einige Funktionen, die von Usern auf modernen Plattformen erwartet werden. Für uns mehr als genügend Gründe, unsere Wirtschaftsplattform «ROI-Online» auf dem neusten Stand der Technik zu halten.

    Philipp Hodel

    PS: Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.

     

  • Ein Klick ist (noch) kein Erfolg30. Mai 2016

    Mit über 2,5 Milliarden Aufrufen ist der südkoreanische Musiker PSY mit «Gangnam Style» der unangefochtene Spitzenreiter der Youtube-Hitliste. Auf den weiteren Rängen und allesamt mit mehr als 1 Milliarde Aufrufen folgen Musikvideos von Popgrössen wie Wiz Khalifa, Mark Ronson, Taylor Swift, Katy Perry oder Justin Bieber. Der Erfolg dieser Videos ist unbestritten – die Künstler verdienen damit Geld.

    Etwas schwieriger sieht die Erfolgsmessung von politischen Videobotschaften aus. Gerne messen Parteien oder Medien den Erfolg anhand der Anzahl Klicks. Ein gutes Beispiel ist das Youtube-Video «Welcome to SVP». Mit über 900 000 Aufrufen wurde das Video für Schweizer Verhältnisse überdurchschnittlich oft angeklickt. Ein zweiter Blick verrät: 5300 Daumen nach oben stehen 8500 Daumen nach unten gegenüber. Auch die über 3000 Kommentare sind inhaltlich bunt gemischt und reichen von bedingungsloser Zustimmung bis hin zur kompletter Ablehnung. Wenn eine Aussage gemacht werden kann, dann diese: Ein Klick bedeutet noch keine Zustimmung.

    Philipp Hodel

  • Stelleninserate – von Print über digital zu social23. Mai 2016

    Wer die Zeitungslandschaft verfolgt, stellt fest: Aus dem Stellenbund wurde ein Stellenbündchen. Die Verlagerung von Stelleninseraten in die digitale Welt trifft die Printmedien mit voller Wucht. Online-Plattformen wie www.jobs.ch oder www.jobscout24.ch sind dank Zehntausender von Stellenangeboten und einfacher Suchmöglichkeiten bei Jobsuchenden beliebt. 5,3 Millionen Besucherinnen und Besucher monatlich verzeichnet alleine jobs.ch. Doch die Vormachtstellung dieser digitalen Job-Plattformen ist nicht unantastbar. Sie erhalten Konkurrenz von verschiedenen Seiten. Social-Media-Plattformen wie LinkedIn oder Xing nutzen ihren Netzwerkvorteil bei Stelleninseraten. So sieht der Stellensuchende auf einen Blick, ob er jemanden im neuen Betrieb kennt, oder kann sich durch das zukünftige Team klicken. Noch weiter gehen Plattformen wie JANZZ.jobs.ch. «Auf JANZZ.jobs sucht man nicht, auf JANZZ.jobs wird man gefunden», wie es auf der Website heisst. Einmal sein Profil hochgeladen, werden verfügbare Stellen damit verglichen – und der Jobsuchende erhält passende Angebote. Job-Matching heisst der entsprechende Begriff.

    Philipp Hodel

    PS: Das Durchstöbern von Zeitungsinseraten war definitiv einfacher.

  • Der entmenschlichte Täter17. Mai 2016

    Der Mord von Rupperswil wühlt die Menschen auf. Ein Mann bringt vier Menschen auf abscheuliche Art um. Wir alle und auch die Medien versuchen, die Tat irgendwie einzuordnen. Das gelingt nur schwer. Sie ist unter keinem Zeichen nachvollziehbar. Ein Mensch, der eine solche Tat begeht, muss krank sein, ist unser erster Gedanke. Fachleute widersprechen jedoch. Die Ratlosigkeit ist gross.

    Der «Blick» löst dieses Dilemma, indem er den Täter entmenschlicht. Er nennt ihn konsequent «die Bestie von Rupperswil». Eine Bestie ist ein Tier. Eine Bestie muss keine Verantwortung tragen. Den Täter zu entmenschlichen, ihn zur Bestie zu machen, ist falsch. Er soll für seine Tat geradestehen.

    Paul Felber

  • Kommunikation blâmable09. Mai 2016

    Luzern soll einen weiteren «Gravitationspunkt» erhalten – die Salle Modulable. Die Initianten der Stiftung gleichen Namens, Stadt und Kanton Luzern, wollen das so. 208 Millionen Franken kostet das neue Luzerner Kulturprojekt. Die Stiftung Salle Modulable steuert 80 Millionen dazu bei. Den Rest teilen sich Stadt, Kanton und Private. So der Plan. Die Betriebskosten pro Jahr machen 31 Millionen aus. Aus Erfahrung weiss man, dass die Tendenz steigend ist – im Kulturbetrieb zumal. Stadt und Kanton sind «finanzklamm». Private sind (noch) nicht auf den Plan getreten. Im Herbst entscheidet der Stadtluzerner Souverän überdies über den Standort beim Inseli.

    Kommunikativ läuft’s für die Salle alles andere als formidable: Es ist keine Strategie zu erkennen. Das zeigen die vornehmlich negativen Leserbriefe, das dokumentiert aber auch die Debatte im Grossen Rat des Kantons Luzern von Anfang Mai. Die «Neue Luzerner Zeitung» rapportiert aus dem Parlament, «dass die Antworten der Regierung eher noch zu mehr Fragen führten, als sie beantworteten». Von «mangelnder Kommunikation», von einer „Histoire blâmable“ ist die Rede. Dies führt gar zu einer Allianz der Ungleichen: SVP, SP und Grüne schliessen die Reihen und begründen dies damit, dass die Bevölkerung einfach zu wenig in das Projekt einbezogen würde. Letztlich ginge es darum, auch jene 95 Prozent der Bevölkerung für das Projekt zu gewinnen, welche das Haus nie betreten würden. Das sitzt.

    Vielleicht hätten sich die Verfechter intensiv mit dem erfolgreichen Vorgängerprojekt KKL auseinandersetzen müssen. Basis für den Erfolg war nicht nur das richtige Projekt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, sondern auch eine klug konzipierte und stringente Kommunikation, umgesetzt von einer Gruppe überzeugter «Handwerker» mit viel Gespür für Stimmungen – und Schwankungen.

    Wie sagen es doch die Angelsachsen: «Tell me and I will forget. Show me and I may remember. Involve me and I will understand.»

    Ronald Joho-Schumacher

  • Cyberpsychologie02. Mai 2016

    Das Internet ist ein globales Massenphänomen. Der virtuelle Raum ist zu einer realen Lebenswelt geworden, in der man agiert, reagiert und selber neue Inhalte produziert. Das hat Auswirkungen auf Persönlichkeit, auf Einstellungen und Werthaltungen. In der digitalen Welt kann sich jeder neu definieren, in die Anonymität abtauchen und ein neues Ich erfinden.

    Alle Facetten menschlicher Erfahrungen und Verhaltensweisen finden sich nicht nur wieder, sondern werden gelenkt und verstärkt, im Guten wie im Bösen. Durch die physische Abwesenheit sinken die Hemmschwellen. Wie wollen wir in Zukunft damit umgehen? Dazu ist ein grosses Stück mehr an Wissen über die Cyberpsychologie der Menschen nötig.

    In ihrem Buch «Cyberpsychologie, Leben im Netz: Wie das Internet uns ver@ndert» gibt Catarina Katzer Antworten darauf. Die Autorin ist promovierte Volkswirtschaftlerin und Sozialpsychologin. Eine empfehlenswerte Lektüre, die zum Nachdenken anregt über die Medienkompetenz und Medienethik der Zukunft.

    Paul Felber

  • Hype um die neue 50er-Note25. April 2016

    «Der erwartete Hype um die neue 50er-Note blieb aus»: So oder ähnlich lauteten die Schlagzeilen der grossen Tageszeitungen am Tag nach der Herausgabe der neuen Banknote. Passender hätte es heissen müssen: «Bevölkerung lässt Medienhype kalt.» Der Kampf der Presse um Aufmerksamkeit ist verständlich, machen doch allen grossen Verlagen Leserschwund und Margenverluste zu schaffen.

    Stirnrunzeln bereitet mir hingegen die Schweizerische Nationalbank (SNB). Unter anderem mit Plakatkampagnen oder Youtube-Werbung betreibt sie eine grossangelegte Werbeaktion für die neue Banknote. Es entsteht fast der Eindruck, die Note sei heute günstiger zu haben als morgen.

    Die SNB reduziert ihre Kampagne auf den Spruch «Das jüngste Schweizer Original» und das Abbild der neuen Note. Was sie mit ihrer Aktion erreichen will, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein Aufklärungsziel, wie zum Beispiel die Präsentation der neuen Sicherheitsmerkmale, verfolgt sie jedenfalls nicht. Dafür hat die Kampagne zu wenig Inhalt. Falls es um die simple Bekanntmachung der neuen Note geht, so haben dies die Publikumsmedien mit ihrem inszenierten Anti-Hype diesmal deutlich besser gemacht.

    Philipp Hodel

  • Medienmonitoring als Teil der Unternehmensstrategie18. April 2016

    Als Social-Media-Nutzer freue auch ich mich über Facebook-Likes oder Re-Tweets bei Twitter. Die Resultate sehe ich bei jedem Beitrag live angezeigt oder ich erhalte eine Benachrichtigungs-E-Mail. Jeder erhält mit wenig Aufwand sein eigenes Monitoring präsentiert.

    Wichtiger als für Privatpersonen ist es für Unternehmen, zu wissen, was über sie geschrieben wird. Für soziale Netzwerke existieren zahlreiche Gratistools wie Hootsuite, Google Alerts oder Mentionmap. Programme wie diese sind zum Teil kostenlos oder bieten in der Regel die Basisfunktionen gratis an. Für die Analyse der Printmedien existieren Anbieter, die anhand von definierten Stichworten Zeitungen und Magazine lesen und Treffer melden. Diese Dienstleistungen kosten. Viele Unternehmen nehmen daher Abstand davon.

    «Richtiges» Medienmonitoring listet nicht nur auf, wie oft ein Unternehmen unter welchen Stichwörtern erwähnt wurde, sondern bezweckt auch, in der Öffentlichkeit aufkommende, organisationsrelevante Themen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Es ist Teil des Issue-Managements. Bestmögliche Resultate erhält man in der Kombination von Online-Gratistools, externen Dienstleistern sowie einem fach- und sachkundigen Verantwortlichen im Unternehmen selbst. Das Medienmonitoring als reine Marketing- oder Kommunikationsmassnahme zu sehen, greift zu kurz, es ist eine Führungsaufgabe auf Stufe Geschäftsleitung.

    Philipp Hodel

  • Sprechen Sie Emoji?11. April 2016

    «FYI», «BTW» oder «ASAP»: In Briefen verpönt, in E-Mails geduldet und im Chat fest verankert, haben sich Abkürzungen in der Alltagskommunikation einen festen Platz erkämpft. Wem das bereits zu viel Text ist, kann eines der über 800 Emojis verwenden. Emoji? Sprechen Sie kein Emoji? Emojis sind bunte Symbole, vornehmlich eingesetzt in der Kommunikation per Smartphone oder Internet. Männchen, Tiere, Alltagsgegenstände. Sie kommen aus Japan und bedrängen gerade die jahrtausendealte Herrschaft der Buchstaben. Mit dem neusten Trend der Kommunikation werden wir früher oder später alle konfrontiert, denn Chat-Programme erobern die Unternehmen. Die ersten haben bereits umgestellt und verwenden Chats in der internen Kommunikation – auf Kosten der guten alten E-Mail. Für die private Kommunikation gelten andere Regeln als für die geschäftliche. In der Businesskommunikation haben Abkürzungen und kleine, lustige Pixelbildchen keinen Platz. Das ist aber meine Meinung. Wer weniger konservativ denkt, sei trotzdem gewarnt: Starten Sie Ihre Konversation lieber konventionell.

    Philipp Hodel

    PS: Emoji-Lektion 1: Senden Sie anstelle von «Herzlichen Dank, ich bin mit Ihren Vorschlägen einverstanden, freundliche Grüsse» ein Bildchen mit einem Daumen nach oben.

    FYI = For Your Information / BTW = By The Way / ASAP = As Soon As Possible

  • Erst denken, dann twittern01. April 2016

    Immer mehr Informationen in der heutigen Medienlandschaft haben ihren Ursprung in einem Tweet oder einem Post. Oft spontan (un)überlegt. Und genauso schnell geschrieben und über die sozialen Medien verbreitet. Dass sich dabei so mancher Hobbyjournalist und so manche Hobbykundgeberin anschliessend am liebsten im Wald verstecken würde, zeigt sich an den regelmässig zu vernehmenden, wenn auch kleinlauten Entschuldigungen dieser eifrigen Schreiber, wenn sie wieder einmal kilometerweit übers Ziel hinausgeschossen haben. Die darauffolgenden Rücktritte der Schuldigen von ihren Ämtern machen die Sache auch nicht wirklich besser.

    Emotionale Wirbelstürme dieser Art sollten längst allen vor Augen führen, welche Macht soziale Medien wie Facebook oder Twitter mittlerweile über die traditionellen Medien haben. Wer heute diese Kanäle geschickt einsetzt, beherrscht auch die öffentliche Meinung.

    Die Kehrseite der Medaille? Dies haben auch Menschen für sich entdeckt, die gezielt Angst und Schrecken verbreiten. Terroristen profitieren immens von offenen Mediensystemen, indem sie für ihre Taten die grösstmögliche Aufmerksamkeit erzielen. Facebook, Twitter und Co. machen es in Echtzeit möglich.

    Umso wichtiger ist die Aufgabe der traditionellen Medien, diese Informationen richtig einzuordnen. Sie sind die «Gatekeeper», die Entscheidungsträger, welche die Auswahl zwischen publizieren und nicht publizieren treffen. Welche Informationen sind falsch? Welche sind Fakten, welche bloss Gerüchte? Wo sind die Grenzen? Gefordert sind alle, die öffentlich kommunizieren: Journalisten genauso wie Medienverantwortliche von Unternehmen und Kommunikationsfachleute. Im Zeitalter des Twitterns und Postens umso mehr! Professionelle Kommunikatoren sind gefragt. Personen mit Erfahrung und Qualität, die im entscheidenden Moment zwischen Sinn und Unsinn von Meldungen unterscheiden können. Und Personen, auf die der Hobbyjournalist und die Hobbykundgeberin auch hören, damit ein Verstecken im Wald gar nicht erst nötig wird.

    Raphael Amrein

  • Mit dem Osterhasen kommt der Stau29. März 2016

    Trotz fortschrittlichster Navigationsgeräte, Stauapps und mehr als frühzeitiger Verkehrsaufkommensprognose: Der Stau auf der Nord-Süd-Achse gehört zu Ostern wie der Schoggihase in der Zellophanfolie. Allen Warnungen zum Trotz schaltet so mancher sonst zivilisierte Mensch in diesen Feiertagen auf naiv-stur oder eben auf das altbekannte Göschenen–Airolo und steuert seinen fahrbaren Untersatz gen Süden. Die Medien indessen zelebrieren den Osterstau und machen sich einen Spass daraus. Bei SRF 3 konnte man in der Osterwoche sogar auf die maximale Staulänge wetten. Der Sieger stand beim «ROI-Online»-Redaktionsschluss noch aus.

    Wieso tun wir uns das an? Persönlich glaube ich, dass wir den Stau so lange wie möglich verdrängen. Bis zur letzten Minute hoffen (oder glauben) wir, dass wir – aus welchen unerklärlichen Gründen auch immer – davon verschont bleiben. Spätestens dann, wenn die Bremslichter und die Warnblinkanzeige beim Vorderwagen aufleuchten, wird uns bewusst, dass das Unvermeidbare eben doch nicht vermeidbar ist. Für etliche Reisende ist der Stau Teil ihres Ferienerlebnisses. Erst nach ein bis zwei Stunden fluchen und sich ärgern scheint der moderne Mensch die imaginäre Barriere überwunden zu haben, um sich ganz dem Feriengefühl hingeben zu können. Daher: Verderben wir mit Routenvorschlägen und Stauzeitprognosen den Stautouristen nicht ihren Event – er ist psychologisch sehr wichtig.

    PS: Im August 2010 staute sich der Verkehr auf 90 Kilometern zwischen Peking und Tibet und hielt ganze zwölf Tage lang an. Oder in São Paulo, wo der Verkehr 2009 auf 293 Kilometern total zum Erliegen kam. Und nein – ich blieb über Ostern zu Hause.

    Philipp Hodel

  • Die Länge zählt18. März 2016

    Dank der weltweiten Vernetzung spielt es keine Rolle mehr, wo jemand seinen Arbeitsplatz hat, sagt man. Für viele Tätigkeiten mag das stimmen, aber nicht für alle. Im Börsenhandel entscheiden ein paar Meter Glasfaserkabel über Millionen-, ja Milliardenbeträge.

    Der Nachbar jubelt. Die Schweiz hat ein Tor geschossen. Zehn Sekunden später kann auch ich im Fernseher das Tor sehen. Es ist offensichtlich, dass mein Nachbar und ich nicht die gleichen TV-Übertragungskanäle nutzen. Seiner ist bedeutend schneller. Das ist nicht weiter schlimm. Wären wir beide Börsenhändler, wäre ich jedoch schon lange Pleite und er ein reicher Mann.

    An der Börse können Tausendstel- und Millionstelsekunden über «top oder Flop» entscheiden. Der Börsenhandel ist dermassen schnell geworden, dass heute sogar die Länge des Glasfaserkabels zum entscheidenden Marktvorteil werden kann. Serverplätze in unmittelbarer Nähe von Börsen werden in den USA heute für Millionenbeträge gehandelt. Denn Physik bleibt Physik. «Flash Trader» wissen dies zu nutzen.

    Paul Felber

  • Individuelles Marketingmerkmal gesucht? Die Handschrift!14. März 2016

    Mit meiner Handschrift stehe ich auf Kriegsfuss, seit ich denken kann. Der Tintenkiller war, ob erlaubt oder nicht, mein bester Freund. Mit allerlei Tricks mogelte ich mich später am Lehrerseminar durch die Unterrichtseinheiten «Wandtafelschreiben und Schnürlischrift». Heute wäre es einfacher: Die Wandtafel wird durch interaktive Boards und Powerpoint ersetzt, eine simple Basisschrift hält Einzug in die Schreibhefte. Die Handschrift wird in allen Bereichen immer weniger gebraucht – oft im Geschäft oder privat.

    Derweil lässt sich in der Geschäftswelt ein Gegentrend beobachten. Eigens eröffnete Manufakturen stellen «Schönschreiberinnen und Schönschreiber» ein und offerieren neue Marketingoptionen. Denn die Handschrift steht für Kreativität, Individualität und persönliche Nähe – gefragte Elemente in Kommunikation und Marketing. Wieso nicht Briefe und Couverts bei der nächsten Neukundenakquise in Handschrift produzieren lassen?

    Falls wir Ihr Interesse geweckt haben sollten, helfen wir gerne mit Adressen und Tipps weiter.

    Philipp Hodel

    PS: Auch im privaten Bereich gibt es für alle kalligraphischen Tiefflieger und Ärzteaspiranten keine Ausreden mehr. Denn es existieren Dienstleistungen für lesbare Geburtstagskarten, Weihnachtskarten oder Einladungen.

  • Huhn oder Ei?07. März 2016

    Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. So lautet ein grundlegendes Prinzip der Ökonomie. Es werden nur Güter bereitgestellt, wenn auch jemand bereit ist, diese zu kaufen. Aber was kommt zuerst: das Huhn oder das Ei? Manchmal wird die Nachfrage erst geschaffen.

    Haben Sie vor 20 Jahren vermisst, dass Sie kein «WhatsApp» schreiben konnten? Eben.

    P.S: Ich auch nicht.

    Paul Felber

  • Zeitoptimisten haben’s oft schwer19. Februar 2016

    Es gibt Menschen, die notorisch zu spät kommen, egal ob zu einer Verabredung, zu einem Meeting oder zu einem Konzert. Die Veranstaltung hat längst begonnen, da öffnet sich die Tür und jemand huscht noch schnell an seinen Platz. Für die meisten von uns ist diese Spezies ein echtes Ärgernis. Das Zuspätkommen wird oft als mangelnder Respekt gewertet.

    Vor Kurzem hat sich mir eine neue Sichtweise auf das eher negativ besetzte Phänomen eröffnet. Ich hörte, wie eine Frau zu ihrer Nachbarin sagte: «Wissen Sie, mein Sohn ist eben ein Zeitoptimist. Deshalb kommt er dauernd zu spät.» Zeitoptimist? Im weiteren Verlauf des Gesprächs schälte sich folgende Definition des Begriffs heraus: Ein Zeitoptimist ist ein Mensch, der das Gefühl hat, er habe ja reichlich Zeit, dies oder jenes noch zu erledigen, bevor er seine Verabredung einhält. Noch schnell ein E-Mail schreiben, ein Telefonat erledigen, einen Small-Talk führen bis ... bis es eben zu spät ist.

    PS: Zeitoptimist klingt irgendwie verständnisvoll. Der Begriff gefällt mir. Ich werde ihn in meinen Wortschatz aufnehmen.

    Paul Felber

  • Viel Trara um wenig Inhalt15. Februar 2016

    Stellen Sie sich vor: Sie kommen nach Hause und vor der Eingangstür liegt ein edles Paket. Die bunten, grossen Worte auf der angehängten Karte «Weltneuheit! Sofort profitieren» animieren Sie dazu, das Paket mit grosser Vorfreude sogleich zu öffnen. Gespannt ziehen Sie an den Schlaufenenden und klappen den Deckel hoch. Doch ausser Stopfmaterial finden Sie darin nichts. Enttäuscht? Ja!

    So oder ähnlich verhält es sich leider viel zu oft mit den grossen Headlines. Viel Trara um wenig Inhalt. Einem zweiten Paket geben wir keine zweite Chance. Hingegen zeigen wir mit den fetten, farbigen Buchstaben und überdimensionalen Bildern der Presse erstaunlich viel Ausdauer. Oder doch nicht? Fakt ist: Die Auflage der Zeitung mit den grössten Headlines ist unter den 15 auflagenstärksten Schweizer Tageszeitungen von 1990 bis 2015 prozentual am stärksten gesunken.

    PS: Die Situation des «Blicks» kann damit zusammenhängen, dass mittlerweile neue Produkte auf dem Markt sind, die ebenfalls verstärkt auf Verpackung statt Inhalt setzen.

    Philipp Hodel

  • Kommunikation und Umsatz08. Februar 2016

    Wenn schon zu Wochenbeginn das Freizeitprogramm für das folgende Wochenende auf den Kopf gestellt wird, sind die Vorhersagen für mieses Wetter meistens mitbeteiligt. Bestärkt durch die Konsultation eines der vielen Wetter-Apps, ist statt des geplanten Ausflugs in die Berge die schon lange hinausgeschobene Hausarbeit angesagt. Und da der heutigen Gesellschaft immer mehr die Spontaneität abgeht, nützt es dann auch nichts mehr, wenn statt des angekündigten Dauerregens das Wochenende mit herrlichem Sonnenschein aufwartet.

    Tourismusregionen haben sich deshalb schon längst ein einfaches Wetterwarnsystem aufgebaut: Gute Wochenendprognosen Mitte Woche bringen viele Gäste, schlechte hingegen keine. Letzteres schlägt sich brutal auf die Umsatzzahlen einer Ausflugsregion nieder. Im Zeitalter moderner Kommunikationsmittel, wo alle mit ihren elektronischen Geräten zu den notwendigen Informationen kommen, gibt es noch einen Rettungsanker – die Webcams vor Ort. Doch auch dieses Kommunikationsmittel taugt nur bedingt für eine Umsatzsteigerung und ist ohne die notwendige Flexibilität des Betrachters wertlos. Kommunikation ist halt auch beim Wetter das A und O.

    Beat Christen

  • ROICOM-Tagwach05. Februar 2016

    14'000 Fasnächlerinnen und Fasnächtler waren morgens um 5 Uhr, am Urknall, in der Luzerner Innenstadt auf den Beinen. Mittendrinn, an der Kapellgasse 3, lud ROICOM - das «Haus der Kommunikation» - zum traditionellen ROICOM-Zmorge ein. Der Event fand bereits zum dritten Mal statt und war von Beginn an ein Besuchermagnet. So auch dieses Jahr. Rund 60 Gäste, fast alle maskiert, drängten sich nach der Tagwacht in die Büroräumlichkeiten. Sie genossen an der Wärme ein reichhaltiges Buffet. Organisatoren waren die Hausherren von ROICOM: Ronald Joho, Geschäftsführer AKOMAG Corporate Communications AG, Ronald Germann, Consulting & Coaching und Klaus Fiebiger, Wave Advertising AG.

    Fotogalerie (Flickr), Fotos: AURA Fotoagentur, Luzern

  • Kann man mit Zwitschern Geld verdienen?29. Januar 2016

    Twitter steckt in der Krise. Der Aktienkurs ist im Keller. Mit einem neuen Modell will der Mitgründer Jack Dorsey das Unternehmen aus dem Tief führen. Das dürfte wohl noch eine ganze Weile dauern.

    Beim Kurznachrichtendienst Twitter steht ein massiver Umbau der Chefetage an. Ein halbes Jahr nach der Rückkehr von Mitgründer Jack Dorsey an die Spitze haben vier Topmanager das Unternehmen verlassen. Twitter macht ein stark verlangsamtes Wachstum der Nutzerzahlen zu schaffen und der Aktienkurs ist in den Keller gerutscht. Dorsey will das Steuer herumreissen, indem es einfacher werden soll, den Dienst zu nutzen. Vorgesehen ist offenbar auch eine Beschränkung auf 140 Zeichen pro Nachricht.

    Dass die Aktien auf einem Tiefpunkt angelangt sind, überrascht wenig. Bisher wurde mit Twitter noch kein Franken erwirtschaftet. Wie man mit einem Gratis-Angebot, das ohne Werbung funktioniert, Geld verdienen will, war für mich immer rätselhaft. Aber offenbar bestehen Pläne, dass künftig Firmen für die Nutzung der Dienste bezahlen sollen. Ob sie das tun? Wir werden sehen.

    PS: Dass Twitter noch keinen Gewinn abgeworfen hat, stimmt nicht ganz. Mindestens einer hat damit Geld verdient: Jack Dorsey. Sein Vermögen wird auf über 2,5 Milliarden Dollar geschätzt.

    Paul Felber

  • Algorithmen übernehmen Kommunikationsaufgaben26. Januar 2016

    Das am Samstag zu Ende gegangene WEF (World Economic Forum) thematisierte die Herausforderungen der vierten industriellen Revolution und die damit verbundenen Änderungen in der Arbeitswelt. Zusammengefasst gesagt: Wir stecken nicht in der Revolution, sie hat eben erst begonnen. Jeder zweite Job droht ersetzt zu werden.

    «Passabene» von Coop ist erst der Anfang. Neben dem Verkaufspersonal an der Kasse werden noch viele weitere Berufe und Branchen die anrollende Automatisierungswelle zu spüren bekommen. Auch nicht gefeit vor dieser Entwicklung sind Journalisten und Texter. Schon heute lassen renommierte Medien wie AP oder Forbes Routineartikel wie Börsenberichte, Aktienanalysen oder Sportartikel von Robotern schreiben. In Schweden erstellte ein Algorithmus bereits zigtausende Wikipedia-Artikel. Gut möglich also, dass ein programmierter Algorithmus in der Nacht die Daten Ihres Aktiendepots analysiert und Ihnen rechtzeitig zur Morgenlektüre entsprechende Empfehlungen abgibt. Bleibt zu hoffen, dass wir «Schreiber» dank Kreativität, Antizipationsfähigkeit und Neugier den Maschinen einen Schritt voraus bleiben.

    PS: Ob die Klickzahl-getriebenen Newsportale bestimmter Medienhäuser, die inhaltlich immer öfter jegliche Relevanz vermissen lassen, noch von Menschen oder bereits von Robotern zusammengestellt werden, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden.

    Philipp Hodel

  • Fachgutachten für faktenbasierte Fachberatungen der Fachkader12. Januar 2016

    «Auf der Ausgangsbasis der durchschnittlichen Gesamtbelastung erstellen Fachspezialisten Fachgutachten für faktenbasierte Fachberatungen der Fachkader.» Dieser Satz ist zwar reine Fiktion, könnte aber jederzeit aus einer Medienmitteilung eines Unternehmens stammen, meint der Journalist Andreas Schwander.

    Das sprachliche Geschwurbel von PR- und Kommunikationsprofis nehme teilweise peinliche Züge an. Das schrieb der Journalist Andreas Schwander kürzlich in der «Basler Zeitung»: «Die einst allgegenwärtigen Anglizismen haben sich still und leise verabschiedet. Das heisst aber nicht, dass die Marketingtexter, die uns mit ihren Kunstwerken bombardieren, besseres Deutsch gelernt hätten.» Sie versuchten die vermeintlichen Schwächen in der deutschen Sprache mit Verdoppelungen zu kompensieren, stellt er fest. «Das verstärkt aber nicht die Wirkung, sondern lässt Texte lächerlich wirken.»

    Das führe zu einer Inflation von Wortschöpfungen wie Fachspezialist, Führungskader, Zukunftspotenzial, Fachgutachten, faktenbasierte Fachberatungen für Fachkader oder Vorprognosen, um das Zukunftspotenzial zu erkennen.

    Abschliessend meint Andreas Schwander: «Falls nun irgendein Textbaukastenkünstler rote Ohren bekommt, geschieht ihm oder ihr das recht. Sie sind ertappt.»

    PS: Rote Ohren habe ich keine bekommen, mir aber vorgenommen, meine Texte noch sorgfältiger nach «überflüssigen Füllwörtern» zu durchforsten. In diesem Satz würde ich also nach überflüssigen Wörtern oder aber nach Füllwörtern suchen.

    Paul Felber

  • Sagt der CEO zum COO: «Wo bleibt der CFO?»21. Dezember 2015

    Der Chief Executive Officer, abgekürzt CEO, hat in unserer Sprache schon vor einiger Zeit Einzug gehalten. Genauso wie der Chief Operating Officer, der COO, oder der CFO, Chief Financial Officer. Der Gebrauch englischer Abkürzungen ist in manchen Firmen geradezu inflationär.

    Die Liste liesse sich beliebig lange fortsetzen mit CIO, CSO, CPO oder CTO. Die Personalabteilung heisst heute HR («Eitsch Ar» ausgesprochen). Der bewährte Hauswart wird zum Facility Manager und die gründlich reinigende Putzfrau zum Housekeeper. Bei international tätigen Unternehmen macht es sicherlich Sinn, für eine Tätigkeit oder Funktion eine einheitliche Bezeichnung zu pflegen. Bei kleineren KMU darf man sich aber wohl zu Recht fragen, ob es nicht aus Kundensicht besser wäre, auf die deutsche Sprache zu setzen. Manchmal werde ich den Verdacht nicht los, dass mit der Umbenennung von Funktionen gleichzeitig auch ein «Upgrading» beabsichtigt wird. Die Person macht sich etwas bedeutender, als sie ist.

    Paul Felber

    PS: Ich persönlich mag es lieber, wenn ich beispielsweise bei einem Telefonanruf mit der Personalabteilung verbunden werde statt mit dem «Eitsch Ar».

     

  • Wikipedia – Agenturen unter Generalverdacht14. Dezember 2015

    Über 1,8 Millionen Artikel sowie rund 2,3 Millionen registrierte User sind die beeindruckenden Kennzahlen allein der deutschsprachigen Wikipedia-Sektion. 5800 Autoren arbeiten regelmässig daran. Mitmachen kann und soll jeder – so der Grundgedanke der «freien Enzyklopädie».

    Wer aber bereits versucht hat, einen Artikel in Wikipedia zu publizieren, kennt das Problem: den komplexen Code. Das korrekte Verlinken und Referenzieren ist für Ungeübte anspruchsvoll. Daher erstaunt es nicht, dass der Community der Nachwuchs ausgeht (siehe Artikel im «Tages-Anzeiger» vom 24. Juni 2015 unten). Das Resultat sind zunehmend veraltete Beiträge oder das lange Warten auf die Freigabe, da jeder neue oder geänderte Artikel zuerst durch die Community gesichtet wird. Weniger relevante Wikipedia-Einträge werden des Öfteren liegengelassen.

    In dieser Situation springen vermehrt PR-Agenturen in die Bresche, um Beiträge aktuell zu halten. In der freien Wikipedia-Community sind sie aber nicht gerne gesehen und werden mit Argusaugen überwacht. Denn der bezahlte Schreiber steht unter Generalverdacht, die Artikel im Sinne seines Auftraggebers zu frisieren. Und so kann bereits ein fehlendes Komma oder ein unbedachtes Adjektiv dazu führen, dass die Freigabe des Beitrags verweigert wird.

    Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Chancen auf Publikation steigen, wenn folgende Richtlinien beachtet werden:

    • Neutrale Inhalte und neutrale Sprache, kein PR-Slang und Vorsicht mit Adjektiven
    • Nur Fakten referieren
    • Hohe Relevanz der Inhalte
    • Literaturhinweise und Belege für alles, was nicht als Allgemeinwissen vorausgesetzt werden kann

    Philipp Hodel

  • Reden ist Silber, schweigen nicht immer Gold07. Dezember 2015

    Während Verkäufer tendenziell zu viel sprechen, kommunizieren andere Berufsgattungen bisweilen zu wenig. Ein Beispiel: Nach einem ambulanten Eingriff an der Hand und den darauffolgenden drei Stunden Wartezeit auf den zuständigen Chirurgen entliess mich dieser mit den drei Sätzen «Der Eingriff lief gut. Sie dürfen nach Hause. Haben Sie Fragen?» aus seiner Obhut. Wortlos überreichte er mir den Plastikbeutel mit der Platte und den Schrauben.

    Der Chirurg verstand sein Kerngeschäft und führte die kleine Operation tadellos durch. Genauso verstand er es, den Kommunikationsteil zu umgehen. Erst zu Hause kamen mir die wichtigen Fragen: «Wie stark darf ich die Hand belasten, oder ist der Knochen nun wieder vollständig geheilt?» Eine proaktivere Kommunikation würde viele Unsicherheiten ausräumen.

    PS: Über die Wundheilung bin ich hingegen bestens informiert dank der Kommunikationskompetenz der Pflegefachfrauen.

    Philipp Hodel  

  • Das Dialog-Zeitalter hat begonnen30. November 2015

    Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Kommunikation und die Kommunikationsverantwortlichen? Eine Studie des HarbourClub sagt: Das Dialog-Zeitalter bietet Chancen. Nutzen wir sie.

    *«Digitalisierung nimmt die Trends der Gesellschaft auf und führt sie mit den neuen Möglichkeiten weiter. In der Kommunikation ist dies der Trend zur Individualisierung. Mit fortschreitender Individualisierung der Gesellschaft braucht es mehr personalisierte Kommunikation. Die auf Massen ausgerichtete PR und Werbung funktioniert kaum mehr. Man erreicht heutzutage nicht mehr alle Personen auf gleichem Kanal, und mehrere Kanäle werden für unterschiedliche Zielgruppen notwendig.

    Der Kampf um Aufmerksamkeit kommt in eine neue und nur bedingt massenmedial beeinflusste Phase. Ein entscheidendes und neues Phänomen der individuell geprägten Phase ist der Dialog. Das Dialog-Zeitalter ist aus einer Vielzahl von diskutierten Elementen und im Bewusstsein der damit verbundenen Risiken mehr eine Chance als ein Risiko für die Belange der Kommunikation.» Nutzen wir die Chance.

    * Zitat aus einer Studie von gfs.bern im Auftrag des HarbourClub

    PS: Der HarbourClub vereinigt Chief Communications Officers von Unternehmen und Organisationen in der Schweiz. Ziele sind der Erfahrungsaustausch unter den Führungskräften der strategischen Kommunikation, die Auseinandersetzung mit Herausforderungen in der Unternehmenskommunikation und die Förderung informeller Kontakte untereinander.

    Paul Felber

  • Häppchen-Journalismus23. November 2015

    Es ist wie am Buffet: Die geneigte Leserschaft holt sich, was sie mag – mal etwas aus dem «Spiegel», mal ein Häppchen aus der «F.A.Z.», vielleicht das mit Brimborium angekündigte Interview mit (Fussball-)Kaiser Franz Beckenbauer in der «Süddeutschen Zeitung». Möglich macht’s das niederländische Start-up Blendle. Schweizer Zeitungen sind (noch) nicht dabei.

    «News Junkies» (zu denen ich mich auch zähle) zahlen fürstlich für Abonnements und Einzelkäufe. Als Gegenleistung winken neben Lesegenuss und Wissensgewinn Altpapierstapel, die entsorgt werden müssen. Das scheint vorbei zu sein. Erstens können Zeitungen und Zeitschriften grenzenlos als E-Paper heruntergeladen werden – das hat zwar auch seinen Preis. Zweitens bietet das holländische Start-up Blendle Artikel aus einem Sammelsurium von zurzeit rund hundert Titeln. Und das funktioniert so: Unter www.blendle.com können Interessenten aus bevorzugten Zeitungen und Zeitschriften Artikel herunterladen. Natürlich kostet das –pro Artikel zwischen 15 Cent und einem Euro. Auch lassen sich über Algorithmen Artikel suchen. So wie bei Google.

    Dass sich da etwas in Richtung Zukunft zu entwickeln scheint, zeigt das Engagement des Axel-Springer-Verlags und der «New York Times». Drei Millionen Dollar ist es den beiden Verlagen wert.

    Nicht zu finden sind auf der Blendle-Site Schweizer Produkte. Der Fachpresse ist zu entnehmen, dass ein gewisses Interesse bestehe – aber den Sprung in dieses Gewässer hat noch keiner gewagt. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass da eine neue Messlatte aufgelegt wird: Verlage engagieren nur noch Journalisten, die über Einzelverkäufe «gerated» werden. Das gibt es zwar heute bereits mit den Klicks auf den jeweiligen Portalen, aber Verkäufe sind handfester.

    Aber das ist nur eine These. Wir wollen uns da nicht blend(l)en lassen.

    Ronald Joho-Schumacher

  • Gegenlesen, ja – «Gut zum Druck», nein16. November 2015

    Das «Gut zum Druck» für Inserate hat sich in den Köpfen der Marketing-Fachleute festgesetzt. Während ihrer Ausbildung und später in der Praxis haben sie gelernt, wie wichtig das finale Okay vor der Drucklegung ist. Leider erwarten sie das «Gut zum Druck» auch von redaktionellen Artikeln. Aber das gibt es nicht.

    Das «Gut zum Druck» (GzD) ist eine praktische Angelegenheit – für das grafische Gewerbe zumindest. Die Druckvorstufe kann damit die ganze Verantwortung an den Kunden abschieben. Dieser muss schriftlich bestätigen, dass er eine Vorlage geprüft und für okay befunden hat. Den Marketingfachleuten ist deshalb das GzD fast wie ein heiliger Gral.

    Reflexartig verlangen sie das GzD auch von Journalisten. Für redaktionelle Artikel gibt es aber kein «Gut zum Druck». Ein Interviewpartner hat das Recht, seine Aussagen gegenzulesen. Eine Auskunftsperson kann verlangen, die im Artikel verwendeten Zitate vor der Veröffentlichung zu kontrollieren. Mehr nicht. Textkürzungen vorzunehmen oder Gestaltung und Umbruch sind Sache des jeweiligen Mediums. Gegenlesen, ja – «Gut zum Druck», nein.

    Paul Felber

  • Von E-Mails und Ikonen13. November 2015

    Was waren das noch für Zeiten, als der gute alte Brief die Nachricht übermittelte – und erste Referenz für ein Unternehmen war. Aus und vorbei. Die Briefpost hat um ein Drittel abgenommen – Tendenz weiter sinkend.

    An Briefes Stelle behauptet sich die E-Mail, knapp gefolgt von WhatsAPP, SMS, MMS und dergleichen – Tendenz steigend.

    Zwar ändern sich die Kanäle, ein Problem bleibt: die gute deutsche Sprache (oder die englische oder französische), mit der gearbeitet wird, um eine Botschaft zu vermitteln. Ob Brief oder E-Mail – wer schreibt, muss vorher denken.

    Bleiben wir bei den E-Mails. Was uns täglich erreicht, ist an schlechtem Stil, fehlenden Satzzeichen, kreativer Rechtschreibung und wirrem Aufbau nicht zu überbieten. Dabei ist alles doch ganz einfach: Der Absender will vernommen, vor allem aber verstanden werden. Deshalb: korrekte Anrede, korrekte Rechtschreibung und Interpunktion. Vor allem beim Smartphone ein gefährliches Spiel: Zeitdruck, dicke Finger und Ablenkungen aller Art machen E-Mails für den Empfänger zu Folterinstrumenten. Dass das Image des Absenders entsprechend leidet, muss nicht näher erklärt werden. Und bitte: Kommen Sie schnell, aber höflich auf den Punkt. Fügen Sie Details hinzu, die der Adressat, die Adressatin braucht, um das Geforderte zeitnah abzuschliessen.

    In der Kürze liegt die Würze. Auch bei E-Mails. Denn dem Scrollen grollt der Empfänger. Ziel ist eine Textlänge, die auf einen Bildschirm passt. Selbstverständlich muss auch die Betreffzeile passen. Bevor Sie auf «senden» klicken, sollten Sie diese genau überprüfen. Der Empfänger soll sofort sehen, um was es geht. Schnell und schnörkellos.

    Und bitte keine unnötigen cc. Senden Sie nur jenen die Nachricht, die sofort verstehen, warum ausgerechnet sie diese E-Mail erhalten. Das gilt auch für Blindkopien.

    Selbstverständlich ist auch, dass E-Mails innerhalb nützlicher Frist beantwortet werden. So in maximal 24 Stunden.

    Toxisch sind Meldungen mit Icons oder Emoticons. Die feiern bei postpubertär Verliebten Urständ – in der Geschäftskommunikation nicht nur ein «No go», sondern einfach nur peinlich.

    Ronald Joho-Schumacher

  • Soll ich, oder soll ich nicht?06. November 2015

    Die Fluggesellschaft Swiss rechnet damit, Tagungsveranstalter rechnen damit, und auch wir rechnen ab zu damit: Mit dem Nicht-Erscheinen, den sogenannten No-Shows. Seien wir ehrlich. Auf den ersten Blick ist die Einladung verlockend. Interessantes Thema, spannende Referenten und einmal weg vom Bürostuhl. Mit einer kurzen E-Mail oder einer vorfrankierter Karte ist die Anmeldung subito erledigt. So weit so gut.

    Spätestens am Vorabend ist die Euphorie verflogen – das E-Mail-Postfach quillt über, die Arbeit wurde nicht weniger und dann noch die mühsame Anreise. Bis zu 15 Prozent der Angemeldeten werden daher den Weg an die Veranstaltung nicht schaffen (Beispiel Perspektiven Zentralschweiz). Das stellt die Veranstalter vor Herausforderungen. Sie müssen die No-Shows einrechnen, sollen nicht ganze Sitzreihen leer bleiben. Und so ist der Organisator paradoxerweise über jeden Zehnten froh, der nicht erscheint.

    P.S. Wer glaubt, dass No-Shows ein neuzeitliches Phänomen sind, irrt. Dies zeigt exemplarisch ein Artikel des deutschen Magazins Spiegels aus dem Jahre 1976. Darin wurde erwähnt, dass Lufthansa-Flüge mit 5 bis 20 Prozent überbucht würden.

    Philipp Hodel

  • Einmal Experte, immer Experte30. Oktober 2015

    In der Welt tummeln sich Experten. Über Abnehm-, Adels-, Astrologie- und Aviatik-Experten hinaus liesse sich die Aufzählung endlos erweitern. Wer es in die Experten-Gilde schafft, erhält eine fixe Karteikarte in den Redaktionen unserer Medienlandschaft. Schnell verfügbar, haben diese Personen immer ein druckfertiges Statement auf Lager. Denn Experten geben einem Artikel die nötige Glaubwürdigkeit. Das führt so weit, dass sogar «Royal-Baby-Experten» ihren Auftritt bekommen. Steht ausnahmsweise kein Experte zur Verfügung, beginnen Sätze wie folgt: «Experten sind der Meinung, dass …» Je nach Situation machen Experten Sinn. Wird ein Thema immer wieder durch die gleiche Stimme kommentiert, sehnt sich der Leser früher oder später nach Abwechslung.

    PS: Als Recherche-Experte stiess ich auf Wikipedia auf folgenden Satz: «Die Bezeichnung Experte ist rechtlich nicht geschützt.»

    Philipp Hodel 

  • Quo vadis? – Wohin gehst du?23. Oktober 2015

    Wer von uns hat nicht schon an einer Veranstaltung mit dem Titel «XX – Quo vadis?» teilgenommen? Die Verwendung dieser zwei lateinischen Wörter ist fast schon inflationär. «Quo vadis» eignet sich für alles und jeden. Vor allem für jene, die keinen richtig guten Titel für ihre Veranstaltung finden.

    «Quo vadis?» – «Wohin gehst du?», das fragte schon Apostel Simon Petrus auf seiner Flucht aus Rom Jesus. Seither fragten sich Tausende und Abertausende von Referenten an Veranstaltungen das Gleiche? «Orchester Coaching – quo vadis?», «Medtech-Industrie – quo vadis?», «Finanzplatz Schweiz – quo vadis?». Zugegeben: Die meisten Fragen sind nicht leicht zu beantworten.

    Andere schon.

    «Retrozession – quo vadis?» – zurück in die Taschen der Anleger.

    «Weissstorch – quo vadis?» – über den Winter nach Afrika.

    «Cannabis – quo vadis?» – alles schon verkifft.

    «Der Franken – quo vadis?» – frage ich mich auch häufig.

    «Ferien – quo vadis?» – viel zu schnell vorbei.

    «Fifa – quo vadis?» würde wohl besser heissen: «Blatter – quo vadis?» – ins Oberwallis zurück.

    Wer eine Veranstaltung plant, sollte sich die Mühe nehmen, einen guten Titel dafür zu finden. Eine griffige Headline – ein guter Aufhänger – lockt das Publikum an. Dafür lohnt es sich, genügend Zeit und Kreativität zu investieren.

    PS: Ich besuche selbst schon lange keine «Quo-vadis»-Veranstaltungen mehr. Meistens lohnt es sich nicht, hinzugehen. Das hat mich die Erfahrung gelehrt. Ein Referent, der nicht mal einen aussagekräftigen Titel hinkriegt, hat in der Regel auch sonst wenig zu sagen.

    Paul Felber

  • Zahlen lügen nicht12. Oktober 2015

    In der Schweiz werden periodisch die Daten zum Medienkonsum erhoben. In diesen Tagen sind nun die neusten Zahlen zum Leseverhalten von Herr und Frau Schweizer von der AG für Werbemedienforschung (Wemf) erschienen. Schwarz auf weiss wird schonungslos aufgedeckt, welche Titel zugelegt und welche in der Gunst der Leserinnen und Leser Anteile abgeben mussten. Zahlen lügen bekanntlich nicht und halten in diesem Fall den Verlegern und Zeitungsmachern schonungslos den Spiegel hin. Interessant und immer wieder faszinierend ist es, zu beobachten, wie die einzelnen Zeitungen und Zeitschriften die sie betreffenden Zahlen interpretieren und gegenüber der eigenen Leserschaft kommunizieren. Wie die berühmte Nadel im Heuhaufen wird im ganzen Zahlendschungel nach positiven Werten des eigenen Titels gesucht, die dann als Erfolgsstory aufgemacht werden. In dieser Hinsicht hat sich in all den Jahren überhaupt nichts geändert.

    Beat Christen

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